Warum wir halbe Sachen machen

Endlich ist es soweit, endlich können wir euch zeigen, worüber wir die letzten Wochen viel nachgedacht und gesprochen haben: Unser eigenes Eltern-Blog. Warum wir bloggen und warum wir es „Halbe Sachen“ nannten, wollen wir euch gern erzählen.

 

Immer wieder mal schwirrte die Idee eines eigenen Blogs in meinem Kopf herum. Vor allem dann, wenn mich Themen, Artikel oder Geschichten nicht mehr los ließen – im Positiven wie im Negativen. Aber dann sagte ich mir immer, es gäbe ja schon so viele Blogs. Worüber willst du außerdem auch regelmäßig schreiben? Und überhaupt: wann willst Du neben Kindern, Mann, Job, Freunden und Haushalt denn auch noch bloggen – mach lieber mehr Sport! Trotzdem, so ganz los gelassen, hat mich die Idee nie. Vor kurzem bin ich zum zweiten Mal nach acht Monaten Elternzeit in den Beruf zurückgekehrt. Zum zweiten Mal hat mein Mann die Ganztagsbetreuung unseres Babys übernommen. Zum zweiten Mal haben wir Kommentare gehört wie „Also ich könnte das nicht.“ oder auch „Wer passt jetzt auf die Kleine auf?“

Sind geteilte Aufgaben „nur“ halbe Sachen?

Das Blog-Küken ist geschlüpft. Es bleiben "Halbe Sachen"...

Das Blog-Küken ist geschlüpft. Es bleiben „Halbe Sachen“…

Und plötzlich war es ganz klar: Ich schreibe über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zwar nicht allein, sondern mit meinem Mann. Jetzt musste ich nur noch ihn, der bisher kaum Blogs gelesen hat, davon überzeugen. Was erstaunlich leicht war, denn auch er ist die komischen Blicke und irritierten Fragen leid. Fakt ist: Wir arbeiten beide keine 40 Stunden (ich 35 Stunden, Olli nach Ende der Elternzeit wieder 30 Stunden), wir versuchen uns die Erziehung von „Einhalb“ und „Zweihalb“ sowie den Haushalt zu teilen. Eine klassischere Aufteilung hätte uns sicherlich so manche Diskussion untereinander, mit Arbeitgebern und völlig unbeteiligten Menschen mit zu großem Sendungsbewusstsein erspart. Fakt ist aber auch: Es hätte uns nicht glücklich gemacht.

Daher arbeiten wir beide eine Stundenzahl jenseits der „Teilzeit-Falle“. Wir teilen uns die Erziehung unserer Kinder und was halt sonst so dazugehört. Wenn man allerdings Aufgaben teilt, jeder also etwa die Hälfte übernimmt, macht man dann auch automatisch „halbe Sachen“?

Die Väter wollen mehr 

Bei nur fünf Prozent der Eltern mit mehr als einem Kind arbeitet der Vater längerfristig in Teilzeit. Das ist sogar deutlich weniger als Familien mit mehr als zwei Kindern, bei denen beide Vollzeit arbeiten gehen (elf Prozent). Und das obwohl sich insbesondere die Väter mehr Zeit für ihre Kids wünschen.* Wenn ich mir unser Umfeld anschaue, überraschen mich die Zahlen nicht.

Was mich aber überrascht ist, wie viele Paare diese Rollenverteilung immer noch als quasi Gott gegeben ansehen.

Wenn wirklich 19 Prozent der deutschen Väter Elternzeit nehmen möchten, aber es dann nicht tun, und mehr als die Hälfte der Väter, die nach zwei Monaten Elternzeit wieder in den Beruf zurück gehen, sich wünschen, sie wären länger ausgestiegen – dann stimmt doch was nicht. Wobei ich jetzt gar nicht genau benennen kann, was dieses „was“ wäre.

Wäre es dann nicht besser, wenn wir dann alle etwas mehr halbe Sachen machen aber davon  mehrere? Denn wenn zwei oder sogar mehr Leute gemeinsam halbe Sachen machen – dann werden die schließlich auch fertig – vielleicht sogar besser als vorher. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist also nicht nur ein Thema für Mütter, sondern auch der Väter, die mehr von ihrer Familie mitkriegen wollen. Daher freue ich mich, dass Olli und ich diesen Blog zusammen füllen werden. Wir wollen hier aus unserem Leben erzählen. Wir wollen anderen Eltern Mut machen und zeigen, dass es sich für die gesamte Familie lohnt. Dabei haben wir unseren Weg nicht immer so geplant, sondern er hat so manche Kurve und gar unerwartete Wendung genommen.

Vier Monate Elternzeit? Der Mann spinnt wohl! Okay, nimm sechs. 

Als ich mit unserer ersten Tochter schwanger war, tat Olli auf einmal kund, dass er auch einen großen Teil Elternzeit nehmen möchte, mindestens vier Monate, eher mehr. Das musste ich erst einmal verdauen: Hatte ich mir doch das erste Jahr mit Baby schon so schön ausgemalt. Aber ich war auch stolz, auf meinen fortschrittlichen Mann, der sich so um seine Tochter kümmern will.

Ich weiß nicht mehr genau wie und wann, aber irgendwie wurden aus vier dann letztendlich sechs Monate. Einhalb fand diese Zeit mit ihrem Vater super – wir auch. Denn wir beide kennen nun das Gefühl, wenn das Baby den ganzen Tag nörgelig ist und den „Heimkommer“ dann begrüßt wie sonst nur 13-jährige Teenies Justin Bieber. Aber wir kennen eben auch die Seite, nach einem stressigen Tag ein schreiendes zahnendes Kind in den Arm gedrückt zu bekommen, sobald man durch die Tür ist.

Trotzdem, nachdem wir die 14 Monate acht zu sechs aufgeteilt hatten, reduzierte ich auf 30 Stunden und der Vater arbeitete wieder Vollzeit. Ganz klassisch also – und es war meistens für alle okay. Allerdings ergab es sich, dass ich einen neuen Job angeboten bekam. Da haben wir viel hin und her überlegt, zu zweit und mit unseren Arbeitgebern, die uns beide zum Glück sehr unterstützen. Seither arbeiten wir beide mit reduzierten Stunden.

Alles neu macht der Herbst

Jetzt ist Zweihalb ein Jahr und wird schon in ein paar Tagen mit der Eingewöhnung in die Krippe starten. Das wird sicherlich wieder alles auf den Kopf stellen. Vor allem, weil die Krippe von Zweihalb und der Kindergarten von Einhalb realistische 20 Minuten voneinander entfernt liegen. Wie das wird? Wir wissen es nicht genau. Sicher ist nur: Es wird trotz Planung häufig chaotisch und improvisiert, es wird oft anstrengend und manchmal ärgerlich sein. Aber es wird auf jeden Fall bunt und schön und sicherlich nicht langweilig – so wie das Leben mit Kindern halt ist.

Wir laden euch herzlich ein, uns auf diesem Weg zu begleiten. Wir freuen uns, wenn ihr uns Eure Meinung sagt und von Euren Erlebnissen erzählt.

Auf geht‘s!

*Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Link: http://www.ifd-allensbach.de/fileadmin/IfD/sonstige_pdfs/Weichenstellungen_Bericht_FINAL.pdf)

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9 comments on “Warum wir halbe Sachen machen”

  1. Evelyn Simon Antworten

    So, liebe Jette, lieber Olli,
    jetzt habe ich endlich euren Blog gelesen von dem ich bis vor kurzem dachte, er sei von „irgendjemand anders“….Sorry, ich hab’s echt nicht kapiert!
    Aber nun hab‘ ich alle Einträge gelesen und bin begeistert! Weil ich (und wahrscheinlich auch Martin) jede Zeile teilen kann.
    Und weil endlich mal jemand in unserem weiteren Umfeld wichtige Wahrheiten übers Eltern- und Berufstätigsein ausspricht und sich damit vom sonst polarisierenden Argumentieren bei diesem Thema weg bewegt.
    Herzliche Grüße, Evelyn

  2. Lydia Antworten

    Wie toll! Ein Blog von Eltern, die die Elternzeit (fast) halbe-halbe teilen. Mein Mann und ich sind in der gleichen Situation und nach den ersten Posts, die ich eben gelesen habe, häufig mit denselben Themen konfrontiert. Ich bin gespannt, was Ihr uns in Zukunft berichten werdet und freue mich auf weitere Posts! 🙂

    • Admin Antworten

      Liebe Lydia,
      wir freuen uns, wenn dir unser Blog gefällt. Und toll, dass ihr auch Halbe Sachen macht – wir freuen uns über jede(n) Mitstreiter(in). Außerdem glauben wir wirklich, dass die gesamte Familie davon profitiert.
      Liebe Grüße
      Jette

  3. Annett, Sven und Alna Antworten

    Oh wie schön! Dann bleiben wir wenigstens so auf dem Laufenden, was es so Neues bei euch gibt. Ihr fehlt uns nämlich…

  4. Suse Antworten

    Liebe Jette, lieber Oli, das klingt spannend bei Euch!
    Willkommen in der Blogosphäre und ich freue mcih auf viele interessante Beitrage an dieser Stelle!
    Liebe Grüße
    Suse

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