Papa kann das auch

Wie wir es hinkriegen – 2. Teil

Im ersten Teil der Mini-Serie „Vereinbarkeit im Hause Halbe Sachen“ ging es um Teams und Dörfer. Im Idealfall besteht die Kernzelle des Teams aus Mama und Papa. Doch immer wieder fällt mir auf, wie selten das der Fall ist. Selbst wenn die Eltern zusammen sind und im gleichen Haus wohnen.

Wenige Dinge sind „Frauensache“

Es gibt meiner Meinung nach genau drei Dinge im Bezug aufs Elternsein, die Männer nicht können:

  1. Schwanger werden und schwanger sein.
  2. Das Kind gebären – auf welchem Weg auch immer.
  3. Stillen.
Spaß im Urlaub ist das eine - aber auf den Alltag kommt es an.

Spaß im Urlaub ist das eine – aber auf den Alltag kommt es an.

Alles andere können Väter genauso gut oder genauso schlecht, wie die Mütter. Zum Beispiel nächtliches Aufstehen: Nach allem, was ich gehört habe, finden Mütter das jetzt auch nicht besonders erstrebenswert. Wenn das Kind noch gestillt wird – Glück für den Vater.Wenn das aber nicht das Problem war, welches unsere Kinder vom Schlafen abhielt, sondern Bauchweh (eher Einhalb) oder Zähne (eher Zweihalb), dann haben Olli und ich uns meistens abgewechselt.

Ich selbst war ein Flaschenkind und meine Eltern haben mir immer wieder erzählt, lange bevor ich Mutter wurde, wie sie sich die Nächte aufteilten. Und immer wurde genau der wach, der in dieser Nacht mit Füttern dran war.

Je größer das Kind wird, desto mehr kann dann der Vater abnehmen: Er kann zu den U-Untersuchungen gehen, Laterne oder Schultüte basteln, Vorlesen, ins Bett bringen und Papa kann auch einen Termin ausfallen lassen, weil das Kind krank ist. Papa kann – vorausgesetzt er kann lesen – sogar lernen einen Kuchen fürs Kitafest zu backen.

Das soll nicht heißen, dass die Mütter das nicht können oder nicht machen sollen. Jede Familie muss für sich einen Weg finden. Mir macht Backen zum Beispiel Spaß und es entspannt mich. Während es für Olli Stress ist. Durch meine Pendelei und sein Homeoffice, ist er allerdings deutlich häufiger mit den Mädels beim Kinderarzt als ich.

Die Sache mit dem lieben Geld

Ich kann es schon hören: Der Mann hat den wichtigeren Job, verdient besser… Aber: Das alles kann er übrigens auch, wenn er viel mehr verdient als Mama! Ich gehe sogar einen Schritt weiter: Das kann er sogar viel besser, wenn er fest im betrieblichen Sattel sitzt, gut verdient, kompetente Mitarbeiter hat, die ihm mal den Rücken frei halten, und er nicht als Teilzeitkraft eh schon schief angeschaut wird.

Er muss es nur wollen.

Falls er es nicht will, darf frau ihm auch einen kleinen Schubs geben – okay, ein großer geht auch. Aber nur Ausnahmsweise! Wir sind hier nämlich eigentlich gegen Gewalt.

Wer A sagt, liebe Damen …

… muss heute ausnahmsweise auch mal B sagen. Selbst, wenn einige das vielleicht nicht so gerne lesen: Lass den Papa dann aber auch machen – und nörgele nicht daran rum, wenn er es anders macht, als du es gemacht hättest. Schwieriger Tipp, schon klar. Klappt auch bei uns nicht immer. Aber wenn man ihn beherzigt, entlastet er sehr.

In diesem Sinne – auf gute Arbeitsteilung.

Eure Jette

7 comments on “Papa kann das auch”

  1. Domi Antworten

    Vielen Dank für diesen Artikel! Als selbstständiger Papa, der hauptsächlich von Zuhause arbeitet, bin ich sehr oft Vorurteilen ausgesetzt. Unser Credo: Nur zusammen wird’s ne Familie

    LG

  2. Ramona Antworten

    Liebe Jette,
    Ich möchte dir absolut beipflichten! Obwohl ich kinderlos und single bin, erlebe ich an dieser Front aber glücklicherweise schon ein Umdenken! Einige meiner Nachbarn haben jetzt auch mal Jungs gefragt, ob sie nicht mal bei ihnen babysitten würden – und ich denke, damit fängt es schon an, dass Jungs schon Berührungspunkte mit Kindern haben und dadurch auch viel selbstverständlicher eine aktivere Vaterrolle übernehmen, wenn sie dann selbst Kinder haben.
    Ansonsten habe ich mit dem Thema noch nicht so viel Erfahrung :-D, verfolge aber deine Updates zu dem Thema sehr gerne.
    Ganz liebe Grüße an dich!
    Ramona

    • Jette Antworten

      Liebe Ramona,
      ich denke auch, dass es die kleinen aber kontinuierlichen Schritte sind. Auf Facebook geisterte dazu mal ein schönes Bild rum, was ich aktuell nicht mehr gefunden hab: Ein kleiner Junge hatte eine Puppe auf dem Arm oder sogar in einer Babytrage vor dem Bauch. Der Text ging in etwa „Wenn Jungs mit Puppen spielen, wo liegt die Gefahr? Dass sie gute Väter werden“?
      In diesem Sinne: Liebe Grüße an die Nachbarn: Alles richtig gemacht!
      Und danke für die lieben Worte zu unserem Blog. Ich find’s großartig, dass du dir so ein doch sehr spezielles Thema als „Umbetroffene“ anschaust. Die Eltern in deinem (Berufs-)Umfeld werden es dir danken!
      Liebe Grüße
      Jette

  3. Melanie Antworten

    Liebe Jette, ich kenne aber keine Mutter, die dem Kindsvater vorwirft, er solle sie mal machen lassen. Ja, es braucht zwei zum Tango, aber bei gemeinsamen Kindern muss man nichts einfordern müssen (also in der Theorie, you know what i mean)-

    • Jette Antworten

      Liebe Melanie,
      tja, sollte… Ich kenne im Bekanntenkreis schon die Fälle, wo die Väter ins Gästezimmer ziehen, „er muss ja morgens arbeiten gehen“ oder die Mütter aufspringen „ich mach das schon“ – bevor der Vater überhaupt eine Chance hatte, was zu tun. Gerade mit Kindern im Säuglingsalter. Allerdings wundern die Mütter sich dann häufiger, warum das dann nicht automatisch anders ist, wenn die Kinder größer sind…
      Klar, jede Familie muss ihren Weg finden und gehen – aber manche Konflikte lassen sich vermeiden.
      Liebe Grüße
      Jette

  4. Ulf Moritz Antworten
    • Jette Antworten

      Na, beim „echten“ maternal gatekeeping geht es ja um eine Bindungsstörung bei den Müttern. Ich sag‘ ja auch: Man muss die Väter machen lassen. Auch wenn es anders ist. Und ganz ehrlich? Olli würde mir vermutlich ’nen Vogel zeigen, wenn ich viertelstündlich bei ihm anriefe. Wie sagt der Amerikaner so schön? It takes 2 to tango…
      Ansonsten vielen lieben Dank.

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