Superjeile Zick – Meine Elternzeit in Köln

ElternVaterzeit-Review, Teil 1: Einhalb

Fast ist sie vorbei, die Elternzeit mit Zweihalb. Zeit für ein Resümee und den Vergleich dieser zwei mal sechs Monate mit ganz unterschiedlichen Vorzeichen und der an sich gleichen Aufgabenstellung. Das eine Mal in der modernen Großstadt „ganz allein“, das andere Mal in der Kleinstadt mit den Großeltern in der Nähe. Okay, der Schluss zum Anfang: Ich hatte eine tolle Zeit mit beiden Kindern.

 

Von 0 auf 100 – zumindest beinahe

Beim ersten Mal hatte ich richtig Angst vor meiner Elternzeit. Wie hier schon beschrieben, hatten wir verabredet, die Elternzeit mit acht zu sechs Monaten zu teilen. Wir hatten zwei Wochen Überlappung für ein paar gemeinsame Tage und eine Art Übergabe geplant, aber wie das Leben so spielt: Es wurden im Endeffekt zwei Tage. Irgendetwas im Job war wohl vermeintlich wichtiger und hat das Timing durcheinander geworfen. Und dann standen wir da – Einhalb und ich.

Nicht, dass ich mich vorher nicht um sie gekümmert hätte:

Wir hatten gemeinsam schlaflose Nächte, sind morgens um fünf im Park auf und ab spaziert (‚Wehe du bleibst stehen, Papa, dann schreie ich alles hier zusammen.’) und hatten immer wieder eine tolle Zeit.

Aber ich war nicht hauptverantwortlich. Das war immer die Mama. Und es hat auch gedauert, bis wir uns zusammen „eingegrooved“ hatten. Bis das Timing stand und ich die unterschiedlichen Signale für Hunger, Windel, Schlaf verstand. Hier hatte Zweihalb ganz klar einen Vorteil.

Väterrunde im Elterncafé

Lese- und Kuschelstunde (Photo by: André Zelck, www.andrezelck.com)

Aber es war Sommer in Köln: Was für eine Stadt, um eine Elternzeit zu erleben. Unser Viertel war super familienfreundlich und zudem hatten Jette und ich kurz vorher eine Familie kennen gelernt, die in einer ganz ähnlichen Lebenssituation war wie wir: Unsere Töchter waren gleich alt und die Väter übernahmen einen großen Teil der Elternzeit. Mindestens einmal in der Woche haben wir uns in einem der vielen Elterncafés in Köln getroffen und die Kids sind gekrabbelt. Wir haben die Karten rauf und runter probiert, es uns gut gehen lassen und fanden es richtig klasse, wie unsere kleinen Mädels die Welt erkundet haben, während unsere großen Mädels die Welt eroberten.

Für mich waren diese Treffen ein super Ausgleich zur Krabbelgruppe, die ich von Jette „geerbt“ hatte und in der ich der einzige Mann war. Die Mütter dort waren wirklich nett – aber zum einen waren sie seit einem halben Jahr in ihrer Konstellation eingespielt. Zum anderen empfand ich sie häufig als sehr fokussiert auf die Kids. Selbst im Café, in das wir im Anschluss häufig gingen, drehte sich alles immer nur um die Kinder. Irgendwie gelang es mir nur sehr vereinzelt, mich mal mit den Menschen jenseits der Eltern-Rolle auszutauschen. Und so sehr ich meine Tochter liebe – ich wollte „mehr“.

Ansonsten habe ich an diese Monate in Köln keine schlechten Erinnerungen. Klar, ich war immer der berühmte bunte Hund, wenn ich mit Einhalb irgendwo aufgeschlagen bin. Aber vor allem im Positiven: Nach vier Jahren ist mir ausschließlich im Gedächtnis geblieben, dass mich fremde Frauen ob meines unglaublichen Engagements bewunderten. Komischer Weise passierte das vor allem in der U-Bahn.

Trennungsschmerz – bei mir

Meine erste Elternzeit endete mit der Eingewöhnung in die Krippe: Als Einhalb 13 Monate alt war, war es soweit. Wieder war ich aufgeregt und hatte etwas Angst. Aber Einhalb krabbelte los und erforschte den Raum, ohne groß zu zögern. Schon nach drei Tagen wurde ich von der Gruppenleitung für zwei Stunden Kaffeetrinken geschickt. Der Trennungsschmerz war doch sehr einseitig: Ich habe dann erst einmal die Kindsmutter angerufen.

„Hat es was gebracht?“

Ich wurde schon oft gefragt, ob sich die Zeit „gelohnt“ habe. Was eine Frage! Natürlich hat es das: Einhalb und ich haben in dieser Zeit ein sehr inniges Verhältnis zueinander aufgebaut und gelernt unser eigenes Ding zu machen. Sie weiß, dass sie sich auf uns beide verlassen kann. Zum Beispiel gab und gibt es keinen Terror wenn Mama das Haus verlässt. Auch als Baby (und heute erst recht) ließ sie sich immer von uns beiden ins Bett bringen. Mami ist immer noch die Nummer eins – aber ich will gar nicht wissen, wie das ohne meine Elternzeit wäre.

Try walking in my Shoes, oder: Ich verstehe meine Frau

Und für die Beziehung zwischen den Eltern? Auch hier ist das Verständnis für die Belastungen des Alltags gewachsen:

Ich weiß jetzt, wie es ist, den Tag alleine mit einem schlecht gelaunten Kind zu verbringen. Und wie es sich anfühlt, wenn es freudestrahlend die Mutter begrüßt, als wenn nichts gewesen sei. Einfach nur, weil es ein Szenenwechsel ist.

Wie es ist, neun Stunden nichts im Haushalt erledigt zu bekommen und sich abends zu fragen, was man eigentlich den ganzen Tag getrieben hat. Und Jette hat in dieser Zeit erlebt, wie es sich anfühlt, nach neun Stunden eines anstrengenden Tags im Büro die Tür aufzuschließen und direkt ein schreiendes Kind im Arm zu halten.

Und wir beide wissen, wie es ist, einfach nur müde zu sein. Deshalb gibt’s den Bericht über die Elternzeit mit Zweihalb erst in ein paar Tagen. In diesem Sinne: Stay tuned…

 

Und weil der Absatztitel mich grad drauf gebracht hat: Walking in My Shoes…

 

5 comments on “Superjeile Zick – Meine Elternzeit in Köln”

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  4. Suse- Ichlebejetzt! Antworten

    Danke, daß dieser Artikel von einem Mann kommt. Ich würde mir wünschen, daß viel mehr Väter einen Perspektivenwechsel machen.
    „Try walking in my shoes“ paßt wie die Faust aufs Auge!

    • Admin Antworten

      Sehr gerne – und vielen Dank. Und übrigens: Das wünsch‘ ich mir auch. Wäre nicht schlimm, weniger exotisch zu sein. Gruß Olli

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