Ich bin pro dicke grüne Hühner

Krankheitsbedingt verzögert sich der erste Post von Olli – daher heute meine Geburtstags-Review…

Kurz bevor erste Tochter drei Jahre alt wurde, hatte ich gerade eine neue Nähmaschine mit dazugehörigem Näh-Flash. Sie bekam einen selbstgenähten Rucksack und ein Shirt mit einer großen Drei. Ziemlich exakt genau 11 Monate, 2 Wochen und 5 Tage später tat Einhalb kund, es möchte wieder einen Geburtstagspulli haben und außerdem einen Schlosskuchen!

Zweihalb war da wenige Tage alt und ich voller Sorge, wie die Große den Verlust ihres Einzelkind-Lebens verkraften würde. Also nähte ich ein Shirt und suchte bei Pinterest Anleitungen zum Erstellen eines Schlosskuchens. (So viel zum Thema „Mein Wochenbett beim zweiten Kind“ – aber das ist ein anderes Thema.)

Kuchen in Schlossform

Schlosskuchen 2014 – Pinterest-Style und Jette-Style

Nun ist es so, dass ich kein Freund von Pinterest-mäßig durchgestylten Geburtstagspartys bin. Ich finde den Perfektionismus und die Kommerzialisierung, den wir den Kids damit von Anfang an vorleben, jetzt nicht so richtig gut – vereinfacht gesagt. Und auch den Perfektionismus dem wir Mütter uns damit unterwerfen (und meistens sind es ja wir Mütter), finde ich sehr fragwürdig. Außerdem arbeite ich fast Vollzeit und bin mit „Alltag“ ohne Kindergeburtstage als Großevents eigentlich schon genug ausgelastet. Einerseits…

Girls just wanna have fun

Andererseits sollen meine Kinder natürlich die Geburtstagsfeier bekommen, die sie sich wünschen. Zugegebener Maßen habe ich selbst auch sehr viel Spaß an den Vorbereitungen: am Backen, am Planen, manchmal sogar am Basteln. Am meisten Spaß habe ich natürlich an vor Freude strahlenden Kinderaugen. An ihrem Tag, der auch ein bisschen meiner ist, möchte ich verwöhnen. Da es dem Mann genauso geht, droht das manchmal etwas auszuarten. Und so ist das Thema Geburtstagsparty für uns ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Und das sieht dann so aus:

In diesem Jahr sollte es ein Prinzessinnen-Schloss-Geburtstag werden. Echt jetzt? Unsere pädagogisch wertvollen, gender-neutralen, pink-stinks Alternativ-Vorschläge wurden noch nicht mal in Betracht gezogen. Also atmete ich tief durch, machte mich locker und während ich die Party plante, murmelte ich mantra-mäßig vor mich hin: „aber auf Bäume klettert sie auch, aber auf Bäume klettert sie auch, aber…“. Nun wünschte sich das Kind Partyklassiker wie Topfschlagen, Eierlauf und Stopptanz. Das war einfach: Die brauchten nur neue Namen – zack, Schlossparty. Dann noch schnell eine Schatzsuche planen. Und da war es wieder, mein großes Problem: Das mit diesem Perfektionismus und so.

Deutsch-Mexikanische Schatzsuche

Mit dem Holzschwert was kaputt machen? Ehrlich wahr?

Mit dem Holzschwert was kaputt machen? Ehrlich wahr?

Irgendwann auf dem Weg zwischen Büro und Zuhause traf mich die Erkenntnis: Schätze werden in Märchen von Drachen bewacht! Also wäre es doch total cool, wenn der Schatz am Ende der Schnitzeljagd auch von einem Drachen bewacht werden würde. Das müsste sich doch mit einer Pinata lösen lassen? Ihr wisst schon, diese mexikanischen bunten Dinger, die man voller Süßigkeiten stopft und die dann von den Kids mit einem Stock aufgeschlagen werden, bis alle Schätze rausfallen. Also schnell mal im Netz suchen: Was? 20 Euro für ein bisschen Pappmaché, was dann zerkloppt wird? Das kann doch nicht so schwer sein, lass mal googlen. Klar, das mache ich selbst.

Der aufmerksame Leser wird sich jetzt erinnern: Ein paar Zeilen weiter oben stand etwas von Auslastung und Großevents und so. Aber eben auch von Spaß am Planen und Verwöhnen und so. Also stand ich, viele, viele Jahre nach meiner Kindergartenzeit, auf einmal wieder mit Zeitungspapier und Tapetenkleister vor einem Luftballon. Olli durfte passen – einer brauchte ja Kleister-freie Hände, falls das kränkelnde Baby aufwacht.

Fünf Abende später (zweimal mehrere Lagen kleistern, zwei zum Trocken, einer zum Verzieren) hatten Olli und ich den Drachen fertig. Was soll ich sagen? Einen Pinterest-Preis gewinnen wir damit sicherlich nicht. Er wurde während eines Zwischenschrittes von einer Freundin sogar „Dickes grünes Huhn“ genannt. Aber wir hatten Spaß, ihn zu basteln. Und die Kids hatten einen riesigen Spaß ihn zu zertrümmern. Wobei ich ihr anfängliches Zögern nicht dem furchteinflößenden Drachen zuschreibe, sondern der doch eher ungewöhnlichen Aufforderung durch Erwachsene, etwas aktiv zu zerstören.

Also lautet das Fazit für dieses Jahr: Eltern dürfen sich das Leben einfach machen (unter dem Zuckerguss war der Schlosskuchen eine Backmischung und auch die Muffins für die Kita buk ich mit Hilfe von Dr. Oetker). Und die Kinder haben auch mit dicken grünen Hühnern Spaß.

Geburtstag-1

Die Mädels in rosa und die Jungs nicht verkleidet – aber bei der Suche nach Pfeilen hielt es niemanden.

P.S.: Die Fotos von rosa und lila Prinzessinnen, die voller Elan das Holzschwert gegen Pappmaché-Drachen schwingen, stimmten mich zuversichtlich, dass sie trotz rosa alle einen mutigen, selbstbewussten Weg gehen werden. Trotzdem hoffe ich, dass ich die nächsten Jahre auch mal Wald, Südsee, Tiere oder Piraten als Themenwunsch genannt kriege.

P.P.S.: In der Krippen-Eingewöhnung lernte Zweihalb ein Kind kennen, das gerade seinen zweiten Geburtstag feierte – mit 80 Gästen. Es ist also immer noch Luft nach oben…

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