Gänseblümchen - schön, aber wenig hilfreich

Gänseblümchen – schön, aber wenig hilfreich

Es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie …

Neulich im Freundeskreis: Es ging um die Kinder, die Arbeit und die Vereinbarkeit. Und auf einmal war sie da, die Wortklauberei. Was denn bei der Vereinbarkeit überhaupt vereint werden solle? Familie und Arbeit seien nun mal zwei völlig unterschiedliche Dinge. Das Wort passe überhaupt nicht, da es was ganz Falsches suggeriere.

Da fiel es mir wieder ein: Wisst ihr noch, wie ihr früher mit euren Freundinnen im Gras gesessen, armen Gänseblümchen die Blütenblätter ausgerissen und dabei vor euch hingemurmelt habt? „Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich …“. So lange bis nur noch ein Blütenblatt übrig blieb. Das alles entscheidende Blütenblatt. Das allwissende Gänseblümchen hat uns mit diesem kleinen Blütenblatt unserem Schwarm näher gebracht – oder eben auch nicht.

Heute bin ich mir einer Sache ganz sicher. Irgendwo auf einer kleinen Wolke sitzt ein Vereinbarkeitsengel, klickt sich durch die vielen (Blog-)Artikel zur Vereinbarkeit und murmelt dabei: ,Es gibt mich, es gibt mich nicht, es gibt mich …‘

Ich bin gespannt, ob er zu einem Ergebnis kommt. Vermutlich nicht, denn schließlich war es auch unserem Schwarm, damals auf der Sommerwiese, ziemlich egal, was das Gänseblümchen sagte. Uns ja eigentlich auch, denn, ich weiß ja nicht, wie es bei euch war, aber ich und meine Freundinnen, wir haben einfach so viele Gänseblümchen gerupft, bis das Wunsch-Ergebnis rauskam.

Genauso ist es mit der Vereinbarkeit!

Versteht mich nicht falsch, ich glaube durchaus an den Einfluss von Wörtern und von Sprache. Ich bin überzeugt, dass Sprache unser Bild der Welt prägt. Ich zucke innerlich zusammen, wenn Frauen von sich als Berater, Arzt, Manager, Erzieher oder Kassierer sprechen. Ich suche gezielt Bilderbücher mit Baggerfahrerinnen, Feuerwehrfrauen und Erziehern. Ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Aber bei der ganzen Diskussion um Vereinbarkeit sehe ich eher die Ziele und die Inhalte im Vordergrund. Sie aufzuzeigen, ihre Schwachpunkte zu benennen und mögliche Änderungsansätze zu diskutieren, sollte erst einmal im Vordergrund stehen.

Außerdem habe ich bisher noch nirgends ein schönes, ein besseres Wort gefunden (Vorschläge immer her zu mir). Und daher spreche und schreibe ich weiter zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und lasse die Gänseblümchen auf der Wiese.

 

2 comments on “Es gibt sie, es gibt sie nicht”

  1. Ulf Moritz Antworten

    Hallo Jette,
    Worte sind wichtig. Worte definieren Dinge, Wünsche und Zustände und leiten dadurch unser denken. Und wenn jemand vom „Entsorgungspark“ redet und damit die Atommülldeponie meint, so nennt man das „Euphemismus“. Diese Worte sollen verschleiern und vertuschen. Heute las ich im Wirtschaftsteil vom Stresstest der Banken und rausgekommen ist, dass einige Banken eine „negative Kapitaldeckungsrate“ haben. Klingt ja auch besser als: Die sind eigentlich schon lange pleite.
    Also Vereinbarkeit. Katja hat ja schon einige Vorschläge gemacht. Ich teile ihre Auffassung, bei der Vereinbarkeit zu bleiben. Es beschreibt doch bestens das Ziel: Familie und Beruf gleichzeitig zu haben und eben nicht nach der „Familienphase“ über Wiedereinstiegsseminare sich mühsam wieder ranzukämpfen an die berufliche Wirklichkeit, von der man / frau dann schon eine Menge verpasst hat. Beide Welten sollen in einer Person vereinbar sein. Ohne Brüche.
    Ob es die Vereinbarkeit schon gibt? Da muss der Engel auf seiner Wolke wohl noch ein bisschen Geduld haben. Ich sehe leider nur Menschen, die darum kämpfen, beide Welten zu vereinen. Und ich wünsche allen auf diesem Weg viel Erfolg!
    Ulf Moritz

  2. Katja Antworten

    Guten Morgen, meine liebste Jette,

    also, ich finde Vereinbarkeit als Wort durchaus in Ordnung, aber schon von Berufs wegen suche ich ja gerne alternative Wörter …

    Also:
    Koexistenz
    Kompatibilität
    Kompossibilität (beinhaltet aber lediglich die Möglichkeit der Vereinbarkeit)
    Harmonisierung

    Schön, wa?
    Bleiben wir doch bei der Vereinbarkeit! 😉

    Dicker Knutscher
    Katja

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