Einmal Tiefpunkt und zurück, bitte.

Auch fleissige Bienchen brauchen mal eine Pause. Sonst stürzen sie irgendwann ab.

Auch fleissige Bienchen brauchen mal eine Pause. Sonst stürzen sie irgendwann ab.

Als wir beschlossen haben, euch mit einem Blog an unseren Vereinbarkeitsversuchen teilhaben zu lassen, haben wir uns überlegt was uns dabei wichtig ist. Dabei kam schnell raus, das für uns drei Dinge im Vordergrund stehen:

  1. Wir wollen neue Wege aufzeigen und Mut machen, diese auch zu gehen.
  2. Wir wollen ehrlich sein.

Und mit etwas Abstand folgt dann:

  1. Wir wollen regelmäßig bloggen – so einmal die Woche sollte es schon sein.

Punkt 3 ist ja schon mal gnadenlos gescheitert. Und warum? Weil sich Punkt 1 und Punkt 2 in den letzten Wochen sehr schwer in einem Text verbinden ließen. Den Halben Sachen war so gar nicht nach „Arbeit und Familie vertragen sich doch!“.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist immer noch alles andere als einfach und unsere letzten Wochen waren mehr als nur anstrengend. Deshalb erzähle ich euch heute von den Grenzen, an die man immer wieder stößt.

Tja nun. Was ist passiert?

Eigentlich nicht viel – und doch in der Summe zu viel.

 

Bienchen im Büro

Wir hatten beide in unseren Jobs viel zu tun. Olli war vergleichsweise viel auf Reisen. Und da er sonst vom Homeoffice aus arbeitet und die Kinder nachmittags einsammelt, ist jede Reise eine logistische Herausforderung – machbar, aber stressig.

Zeitgleich stapelten sich auf meinem Schreibtisch Anfragen, Aufgaben und Abgabetermine. Darunter viele spannende Sachen, Projekte, die ich so noch nie realisiert habe, Aufgaben, die viel Spaß machen und die mich weiter bringen. Alles in allem eine tolle Situation. Aber auch eine sehr anspruchsvolle mit wenig Routine. Was wiederum dazu führte, dass ich abends nur noch völlig geplättet auf die Couch sank.

Viren-Ping und Bazillen-Pong

Außerdem war der Winter hier leider nur nass (statt weiß) und dunkel. Während unserer Familie insbesondere die morgendliche Dunkelheit aufs Gemüt schlug, fühlten sich Bakterien und Viren jedweder Art besonders wohl. Einhalb war die ersten fünf Jahre mit einer erstaunlichen Gesundheit gesegnet. Aber dieser Winter zwang auch sie in die Knie: Sie war gleich mehrmals fiebrig und elend. Ping, schubste sie die Bazillen weiter.

Ihre kleine Schwester nahm, ganz das Musterkind aus dem Elternratgeber, einfach jeden Infekt mit, der auch nur entfernt an der Krippe vorbeiflog. Wie in einem schlechten Film gingen hier abends alle munter ins Bett und morgens war irgendjemand krank. Gerne übrigens auch ich – pong. Ich weiß nicht, wann ich die letzten Male so oft und stark erkältet war wie diesen Winter.

Als die Minis dann gesund waren, hat es natürlich das Familienoberhaut den Vater zerrissen. Dass er die ganzen Wochen vorher nicht krank wurde, haben die Krankheitserreger offensichtlich als Affront aufgefasst.

Weißes Gold

Zudem zahnt Zweihalb quasi ständig. Zuletzt hat sie innerhalb von sechs Tagen zwei Backenzähne und einen Eckzahn fabriziert. Sie leidet dann immer sehr und schläft in diesen Nächten quasi nicht. Und mindestens ein Elternteil schließt sich solidarisch an. Sollte diese blöde Zahnfee demnächst für die große Schwester hier vorbeiflattern, riskiert sie echt ein blaues Auge. So eine doofe Kuh!

Also alles in allem eine ganz normale Mischung aus Schlafmangel, depressiver Winterverstimmung, grippalen Infekten und Beruf. (Während ich diesen Text schrieb, habe ich bis zu dieser Zeile schon dreimal die Hand der kleinen Tochter gehalten, bis sie wieder eingeschlafen ist. Ich höre die Zahnfee schon kichern.)

Eine kurze Auszeit

Im März sind wir relativ kurz entschlossen ein paar Tage ausgeflogen. Wir haben Freunde und Verwandte besucht und waren einfach mal weg. Es war förmlich spürbar, wie gut diese paar Tage uns allen getan haben. Einhalb, die ja sonst immer für Aktivitäten mit anderen Kindern ist, hat im Schwimmbad und auf dem Spielplatz alle anderen Kinder ignoriert und einfach die Zeit mit uns genossen. Und als wir wieder kamen, ließ sich auch langsam der Frühling blicken.

Wenn nicht wir – wer dann?

Einhalb taucht ab.

Einhalb taucht ab.

Ich erinnere mich, dass wir auch bei der großen Tochter den ersten Winter, indem wir beide wieder gearbeitet haben, als hart empfunden haben (und wie gesagt: Sie war nie krank). Und ich weiß, nächsten Winter sind alle wieder etwas größer und selbstständiger (außerdem gibt es vermutlich bald gute Neuigkeiten zu verkünden). Aber trotzdem haben mich die letzten Wochen zum Nachdenken gebracht.

  • Wir haben beide keine 40-Stunden-Stelle und die 40-Stunden-Wochen halten sich auch bei beiden in Grenzen.
  • Wir teilen die Betreuungs- und Hausarbeiten ziemlich gerecht auf.
  • Wir haben beide extrem tolerante Arbeitgeber, die spontane Homeoffice-Tage, Überstundenausgleichstage oder eine Verschiebung von Arbeitszeiten mit relativer Gelassenheit tragen.
  • Wir haben die Großeltern in der Nähe, die eine feste Säule in unserem Betreuungsnetzwerk sind, die auch häufig spontan einspringen und bei denen sich beide Töchter sehr wohl fühlen. Im Zweifelsfall bringen sie sogar auch mal Bücher in die Bücherei zurück oder holen Hemden aus der Reinigung.
  • Sollten die verhindert sein, entsteht langsam – wenigstens für die Erstgeborene – auch ein Netz an Freundinnen, zu denen sie mal für ein Stündchen nach der Kita mitgeht (und das auch noch ziemlich toll findet).

Kurz: Wir haben ziemlich optimale Bedingungen, damit das bei uns mit der Vereinbarkeit klappt. Trotzdem war es die letzten Wochen enorm anstrengend.

Wie machen die das?

Eins der schönen Dinge am Bloggen ist, dass man Einblick in Lebenswege erhält, die sich vom eigenen unterscheiden. Daher komme ich nicht umhin mich zu fragen, wie soll Vereinbarkeit denn bei den anderen klappen?

Wie kann Vereinbarkeit bei Alleinerziehenden klappen? Und ich meine jetzt nicht die, bei denen beide es schaffen, sich gleichermaßen um die Kids zu kümmern. Sondern die Witwen und Witwer, die Paare, wo mit der Trennung auch eine (große) räumliche Distanz entstanden ist. Die Fälle, in denen Patchwork, warum auch immer, nicht klappt. Wo der Partner sich nicht mehr einbringt/einbringen will oder wo häusliche Gewalt und/oder Missbrauch einen weiteren Umgang unmöglich machen. (Wer sich das nicht vorstellen kann, schaut mal bei Mamamotzt und Mutterseelesonnig vorbei.)

Wie kann Vereinbarkeit klappen bei Menschen in festen Schichten, bei konservativen Arbeitgebern oder bei Kindern mit erhöhtem Betreuungsaufwand (und sei es nur, dass sie zusätzlich zum Sport oder Tanzen oder Musikunterricht oder aufgrund eines Sprachfehlers regelmäßig zur Logopädie müssen)?

Das optimistische blaue Band des Frühlings

Ihr merkt schon: Ausnahmsweise einmal nicht so „alles ist möglich“ bei den Halben Sachen. Aber inzwischen ist das Wetter besser: In der Regel ist es jetzt hell, wenn wir aufstehen (und erst recht, wenn wir das Haus verlassen), die Nachmittage kann man auf dem Spielplatz verbringen – und sogleich steigt die Stimmung in dieser Familie. Trotzdem wissen wir: Die Vereinbarkeit wird uns sicher noch das eine oder andere Mal herausfordern.

Dennoch bin und bleibe ich der Überzeugung, dass uns nur Jammern und Pessimismus nicht weiterbringen. Daher nehme ich die Fragen nicht als Entmutigung, sondern als Ansporn, in meinem Alltag und in dieser Ecke des Internets weiterhin meinen Beitrag dafür zu leisten, dass Vereinbarkeit für alle klappt.

Ihr seid gefragt

Um an den Anfang des Textes zurückzuspringen: Wir wollen mit diesem Blog auch Mut machen und verschiedene Wege aufzeigen. Daher jetzt unsere Frage an euch: Wann habt ihr das letzte Mal mit der Vereinbarkeit gehadert? Über welche Aspekte von Vereinbarkeit würdet ihr hier gerne mehr lesen? Was findet ihr spannend? Und natürlich ganz besonders würden wir uns freuen, wenn ihr Eure Mutmach-Geschichte mit uns teilen mögt – entweder in den Kommentaren oder, falls sie länger ist, auch gerne per Mail und wir machen einen Gastbeitrag daraus.

 

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