Krippen-Eingewöhnung mit Hindernissen

Zwischen Schuldgefühlen, Vorfreude und einem gewissen Zeitdruck

Während ich diesen Beitrag schrieb, musste ich laut lachen: Denn zwischendrin veröffentlichte die Networking-Mom einen Beitrag zu ihrem Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Darin beschreibt die dreifache Mutter, warum trotz zweifacher vorheriger Erfahrung und vorausschauender Planung manchmal alles anders kommt. Und das war bei uns ganz ähnlich, nämlich so:

Als sich mein Teil der Elternzeit dem Ende näherte, kam Wehmut auf: Habe ich alles mit Zweihalb so erlebt, wie ich mir das vorgenommen hatte? Haben wir genug gekuschelt oder war es doch zu viel Alltag in einer Familie zu viert? So lang ist die Vorfreude auf diese Zeit – und so schnell kann ein halbes Jahr vergehen. Und es ist noch nicht zu Ende, da kommt schon der Blick auf den neuen Lebensabschnitt: die Krippe.

Es zeichnete sich schon vorher ab, dass es nicht einfach werden würde: Zweihalb befand sich in einer extremen Fremdelphase. Andere Menschen durften sie kaum ansehen, schon gab es Protest. Sogar Oma und Opa durften sie nicht anfassen, geschweige denn auf den Arm nehmen. Zu dem Zeitpunkt konnte sie auch noch nicht laufen und war schnell schlecht gelaunt, da sie sich nicht so bewegen konnte, wie sie es wollte.

Unser Plan war gut – wenigstens dachten wir das

Meine Elternzeit sollte am 23. September enden. Unser Vertrag begann zum dem 1. September. Also mit knapp vier Wochen ausreichend Zeit, oder? Nein! Denn wir hatten die Schließzeiten im Sommer nicht beachtet. Ein kapitaler Fehler. Wer denkt schon daran, wenn die Planung über ein Jahr vorher beginnt? Vor allem, wenn der Kindergarten von Einhalb ganz andere Sommerschließzeiten hat… Die Krippe begann mit der Eingewöhnung erst am 7. September – eine Woche war „verloren“.

Kurz vor dem Start wurde das Grummeln in meinem Bauch immer lauter: Was, wenn es nicht klappt? War sie noch zu klein? War alles zu früh? Haben wir das nicht zu eng getaktet? Hätte ich nicht doch mehr Zeit einplanen und auf Einkommen verzichten sollen? Elternzeit hätte es noch länger gegeben. Halt nur nicht mit staatlichem Elterngeld. Wenn ich ehrlich bin, hätten wir das zwei Monate lang finanziell stemmen können. Oder war es nur meine Sehnsucht nach kuscheligen Stunden mit dem Baby und Abschiedsschmerz von dieser einmaligen Zeit?

Nein, das sind nicht nur „Muttigefühle“

So 40 cm neben Mamas Bein (oben im Bild), kann man das fremde Spielzeug gut untersuchen

So 40 cm neben Mamas Bein (oben im Bild), kann man das fremde Spielzeug gut untersuchen

Ein bisschen habe ich mich aber auch gefreut über diese Art der Gefühle gegenüber meiner Kleinen. War es doch eher die Art Gefühl, die man generell eher Müttern zuschreibt. ABER: Ich bin der Vater! Eigentlich Bullshit, diese ganze Zuschreiberei. Meine (wie sich zeigen würde) sehr akkurate Einschätzung der Situation war der Vorteil und das Ergebnis meiner Elternzeit: ich war in diesem Moment viel näher an dem Kind dran und konnte mich emotional eher in Zweihalb einfühlen als Jette.

Als wir beim Abwaschen grad über den Text und die Eingewöhnung gesprochen haben, meinte Jette, dass ihr die Gefahr des Scheiterns der Eingewöhnung zu dieser Zeit gar nicht so präsent war. Sie war da eben schon wieder mit 35 Stunden im Büro. Das hat also rein gar nichts mit der Unterscheidung zwischen Mutter und Vater zu tun – und schon gar nicht mit „Glucken-Verhalten“ – denn dieses „Label“ würde ich doch entschieden von mir weisen.

Gleichzeitig habe ich mich auch auf die Rückkehr in den Job gefreut. Andere Themen, andere Herausforderungen – ich denke, ihr kennt das.

Das Berliner Modell interessiert Zweihalb mal so gar nicht

Der erste Tag kam und verlief ganz im Sinne des Berliner Modells: Zwei Stunden in der Krippe und wir schauen mal, was passiert. Es passierte: nix. Zweihalb war leicht interessiert, entfernte sich aber keine zwei Zentimeter von mir. Das blieb auch die nächsten zwei Tage so, zudem war sie quengelig und komisch, entwickelte abends eine Temperatur. Ab zur Ärztin: Von wegen schlechte Laune, es war eine Mittelohrentzündung.

Also haben wir die Eingewöhnung erst einmal eine Woche pausiert. Als wir wieder in die Krippe kamen, veränderte sich nichts an Zweihalbs Verhalten: ein gewisses Interesse, aber keine aktive Einmischung in das Geschehen. Sie blieb einfach bei Papa. Auch Annäherungsversuche anderer Kinder ließ Zweihalb gekonnt abblitzen (hoffe, sie kann das auch in den nächsten 25 Jahren noch so gut). Naja, lassen wir ihr einfach etwas mehr Zeit.

Oh nein: Das Kind ist ein umgekehrter Fliegenpilz

Aber dann geschah es wieder: Sie bekam einen riesigen Ausschlag. Genaugenommen sah sie aus, als hätte sie Masern, Röteln und Mumps zusammen. Also wieder zur Ärztin. Also wieder drei Tage zu Hause bleiben. Das waren dann zwei von drei Wochen Eingewöhnung mit Null Fortschritt. Jette und ich besprachen diverse Worst-Case-Szenarien und die Gewissheit machte sich breit, dass das so nicht funktionieren würde. Die dritte Woche der Eingewöhnung kam und zumindest gesundheitlich lief es jetzt schon einmal besser.

Aber Zweihalb machte keinerlei Anstalten, Papa auch nur zwei Sekunden aus den Augen zu lassen. Der Versuch, aus der Gruppe zu gehen, scheiterte kläglich an dem Geschrei der Kleinen. Meine Selbstzweifel und das schlechte Gewissen wuchsen auf ein ungeahntes Maß an.

Dennoch kam es langsam zu kleinen Fortschritten. Am Ende der Woche konnten die Erzieherinnen Zweihalb kurz schnappen, um mit ihr auf dem Arm durch den Raum zu laufen. Das war es dann aber auch schon. Und trotzdem musste ich ja wieder ins Büro: Mein Kollege war einige Tage zuvor Vater geworden und ist für zwei Monate in Elternzeit gegangen. Der andere Kollege war auf einer langen Reise von Messe zu Messe. Es war einfach keiner mehr da! Zum Glück hat Jette eine Woche Urlaub bekommen, um die Eingewöhnung weiterzuführen.

It’s the final Contdown

Aber wir hatten nur eine Woche. Bei dem Tempo wären wir damit bei maximal einer halben Stunde ohne Eltern. Das Berliner Modell ist ja gut – aber wir brauchten einen Fortschritt. Und wir brauchten ihn schnell. Leichte Panik machte sich breit: Gespräche mit den Erzieherinnen folgten, Gespräche mit Oma und Opa. Wir entwickelten A-, B- und C-Szenarien und trotzdem blieb die Unsicherheit.

Doch an Tag drei der vierten Woche rief Jette an und erzählte, sie sei einfach weggeschickt worden. Heureka! Der Knoten war geplatzt. Donnerstag und Mittwoch liefen schon richtig gut. Montag blieb Jette noch mal in der Nähe. Und ab Dienstag schlief Zweihalb in der Krippe als hätte sie NIE überhaupt nur was anderes gemacht. Alle waren glücklich.

Und wie ist es heute?

Der erste Schokopudding des Lebens: Er hat die Eingewöhnung definitiv vereinfacht.

Der erste Schokopudding des Lebens: Er hat die Eingewöhnung definitiv vereinfacht.

Für die ersten Wochen war vereinbart, dass Oma und Opa Zweihalb immer noch nach dem Mittagsschlaf abholen, damit die Kleine Zeit hat, sich an die neuen Abläufe zu gewöhnen. Aber, wie so häufig bei Kindern, kam alles anders als geplant.

Denn Zweihalb war seither kaum eine Woche vollständig in der Krippe. Einhalb und Zweihalb sind schwer beschäftigt damit, möglichst schnell eine möglichst umfangreiche Bazillensammlung zu akquirieren und mit nach Hause zu bringen. Hier wird dann kräftig geteilt mit dem Ergebnis, dass alle abwechselnd krank sind.

Aktuell ist Zweihalbs Darmflora durch Medikamente und Zahnungsschub plus einen Magen-Darm-Infekt, den die große Schwester aus ihrem Kindergarten eingeschleppt hatte, zerstört. Leider sitzt im Darm ein Großteil des Immunsystems (mehr Infos dazu hier) – also nimmt sie einfach JEDEN Infekt mit, den so eine Krippe zur Herbstzeit zu bieten hat. Derzeit füttern wir Schonkost, geben ihr eine Aufbaukur mit Hefebakterien und überlegen uns derweil, wie wir uns bei den Großeltern für ihre unermüdliche Unterstützung bedanken können.

Aber wenn sie in der Krippe ist, geht es ihr gut – und das ist für uns das Wichtigste.

Ich könnte jetzt jammern über die ständige Angst vor dem Anruf aus Krippe oder Kita, man möge doch die Kleinen wegen Krankheit sofort abholen, über das ständige Hin- und Herplanen, wer jetzt die Ausfallzeit übernimmt, die schlechten Nächte und und und.

Aber jetzt, da die Beiden schlafen und ich in Ruhe diese Zeilen schreibe und an sie denke, weiß ich: Ich könnte es mir ohne sie nicht mehr vorstellen! Will ich auch nicht, denn ich merke wie ich vergnügt vor mich hin grinse. Und habe absolut kein Problem damit, mich im nächsten Augenblick auf die Job-To-Do`s von Morgen zu freuen. Arbeit und Familie – stressig und herausfordernd? Sicher! Aber es geht eben doch – und es lohnt sich!

Und weil zu einem Papa-Post auch immer ein Video braucht, gibt’s heute was zum Thema aufgeben, bzw. besser nicht aufgeben:

 

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