Ein Plädoyer für Sigmar Gabriels Kinderbetreuung

Da hat doch der Spiegel berichtet, dass Sigmar Gabriel sich eine Auszeit nimmt um für seine kranke Tochter zu sorgen.
Die Wellen schlagen hoch und ich habe jetzt viele Kommentare und Blogbeiträge gelesen, in denen Gabriel dafür kritisiert wird, dass er daraus eine Pressemitteilung gemacht hat und mit welchen Lobeshymnen der Spiegel darüber berichtet.

Zugegeben: alle, die sich darüber Gedanken machen (müssen und/oder wollen) wie eine gemeinsame Betreuung der Kids funktioniert ringt die Mitteilung allenfalls ein müdes Lächeln ab. Manche sind regelerecht wütend und fragen sich zu Recht ob jeder, der mal auf sein Kind aufpasst, einen Orden verdient und einen kräftigen Schulterklopfer abbekommen sollte. Vor allem dieses Zitat stößt auf erhebliche Ablehnung:

„Ich bin in den nächsten Tagen häufiger zu Hause, weil meine Frau den Spruch, dass ich immer ganz Wichtiges zu tun hätte, wenn’s zu Hause mal Probleme gibt, nur begrenzt erträgt“

Ich möchte hier mal auf einen nicht beachteten Aspekt aufmerksam machen, denn ich höre und lese oft folgende Sprüche von Vätern:
„Sorry, das Meeting dauert wieder länger“
„Elternabend? An einem Dienstag? Sorry, habe Training, das ist echt wichtig“
„Krank? Dein Problem, ich hab erst ab 20.00 Uhr Zeit“

Oder auch Folgendes:
„Wenn ich jetzt das Kind dem Job vorziehe bekomme ich ernsthafte Konsequenzen im Job zu verspüren“

Die Liste lässt sich endlos weiterführen. Deshalb denke ich, dass dieser Satz berechtigterweise Paare die Gleichberechtigung versuchen zu leben, einen gewissen Brechreiz verursacht. Von Alleinerziehenden ganz zu schweigen.

Aber für die anderen 70 % der Männer, die noch nicht einmal Elternzeit genommen haben, ist das ein ganz wichtiges Signal! Das ist doch das eigentliche Thema! Entweder ist dieses Argument, dass immer etwas wichtigeres ansteht als die Familie, ein toller Ausweg sich aus dem Staub zu machen. Oder es ist die Angst vor Repressionen im Job! Und ich finde es mehr als gut, dass er das öffentlich thematisiert!

Mama-arbeitet bringt es in Ihrem Artikel sehr gut auf den Punkt:
Nehmen wir mal kurz an, eine Frau in so einem hohen Amt hätte getan, was Sigmar Gabriel dieser Tage macht. Dann hätte es geheißen „Sie ist überfordert mit dem Amt“, „Sie bekommt das nicht hin“, es wäre entweder keine Meldung oder ein Makel gewesen. Und solange DAS so ist, sind wir sehr weit von Gleichberechtigung entfernt, egal ob Ministerin oder Verkäuferin.

Ich komme hier nur zu einem anderen Schluss:
Wir brauchen solche Multiplikatoren, die das Signal an die Väter geben, dass die Kinderbetreuung durch beide Elternteile eine Normalität ist!

Wenn wir ehrlich sind leben wir, die dieses versuchen zu leben, in einer eigenen Blase. Die Blogger unter uns erreichen, ich gehe mal von uns aus, zu 87 % Frauen. Und zu 95 % die Menschen, die genauso denken wie wir. Ein Artikel im SPON über einen Minister der sich um seine kranke Tochter kümmert ist immer noch ein Tropfen im Ozean, erreicht aber die Zielgruppe wesentlich besser als wir alle. Die Beweggründe mögen fraglich sein, ja er hätte das stillschweigend erledigen können. Aus den genannten Gründen bin ich aber sehr dafür, dass er es öffentlich macht!

Liebe Grüße
Euer Olli

Und jetzt mal was ganz anderes:

1 comment on “Shortblog: Ein Plädoyer für Sigmar Gabriels Kinderbetreuung”

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