September – Ich mag dich nicht

Wenn das Vereinbarkeits-Puzzle nicht passt

Eigentlich mag ich den Herbst. Ich mag bunte Blätter, wenn es warm aber nicht mehr heiß ist, mag kühle Nächte, dass Mücken sterben, die Farben und das Licht. Seit etwa sieben Jahren mag ich den September besonders, weil er mich zur Mama gemacht hat. Aber der September 2017 – der kann weg, bevor er richtig angefangen hat. Ich erzähle euch auch warum.

Fangen wir mit dem Offensichtlichem an: Nach diesem Sommer freue ich mich nicht auf Abkühlung. Ich habe das Gefühl, mir ist seit Wochen kalt. Aber dann kommt noch dazu, dass beide Kids mit ihrer neuen Umgebung kämpfen. Nicht im Negativen: Die große Tochter geht gern in die Schule, die kleine mag die neue Kita. Doch für beide ist es aus unterschiedlichen Gründen echt anstrengend. Mit dem Erfolg, dass sie beide massiv abbauen, sobald sie im sicheren Heimathafen sind: So ab vier Uhr haben wir hier statt Geschwisterplüsch eher Geschwistergemetzel oder Elterngemetzel oder auf den Boden werfen. Was halt gerade passt. (Siehe hierzu auch den letzten Blogbeitrag und unser Blitzableiter-Dasein.) Aufgrund von vielen externen Terminen aus Kita, Schule und Freundeskreis häufen sich auch grad die Termine an den Wochenenden. So schafft es unsere Erstgeborene innerhalb von vier Tagen auf drei Parties. Wie war das Sprichwort noch mal mit den Hochzeiten und dem Tanzen?

Termine, Termine, Termine

Das wäre alles nicht wirklich dramatisch, wenn nicht der September traditionell bei mir und Olli auch beruflich eine echt heiße Phase wäre. Denn in beiden Branchen geht die Messe- und Kongress-Zeit wieder los.* Mich trifft es in diesem Jahr zum Glück nicht ganz so hart, aber Olli dafür umso mehr. Zum zweiten Mal in Folge wird er nicht am Geburtstag unserer großen Tochter anwesend sein können. Am Morgen der von ihr gewünschten Übernachtungsparty wird er morgens um sechs zum Flieger müssen.

Von 15 Werktagen ist er an sieben nicht da, An- und Abreise fallen zum Teil ins Wochenende. Was praktisch ist, ist dass wir in  der letzten Septemberwoche alle wieder da sind. Das trifft sich ganz gut, weil die Kita drei Tage geschlossen hat. Und wenn wir dann alle im Oktober etwas zur Ruhe kommen könnten, stehen die Herbstferien an, für die wir auch noch nicht genau wissen, wie wir das Schulkind unterbringen.

Keine Zeit, viel zu tun

Nun ist ja aber unser ganzes Vereinbarkeits-Konstrukt so aufgebaut, dass der Vater die Kinder nachmittags abholt und ich mehr oder minder kurz danach zuhause eintrudel. Dieses ganze Umwerfen sämtlicher Routinen ist für uns alle schwierig. Umso mehr, als dass wir unsere neuen Routinen noch gar nicht so richtig gefunden haben.

Im Ergebnis fühlen wir Eltern uns wie das weiße Kaninchen bei Alice im Wunderland, welches rumrennt wie blöd und vor Angst vor dem Zorn der Herzkönigin permanent kurz vorm Herzinfarkt steht und gefühlt nix auf die Kette kriegt.

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Theoretisch bliebe jetzt die Frage, wer oder was ist die Herzkönigin? Sind es unsere Jobs? Die Anforderungen von Schule und Kita oder etwa unsere eigenen Anforderungen und Vorstellungen an uns selbst? Die Frage, stelle ich mir aus zwei Gründen derzeit nicht. Zum einen, habe ich grad keine Zeit für irgendwelche grundsätzlichen Überlegungen. Zum anderen, finde ich es etwas müßig, zu überlegen, welche Stellschraube ich zu Gunsten einer besseren Vereinbarkeit drehen kann, wenn es sich doch eigentlich um ein Uhrwerk handelt, bei dem jede eine einzelne Schraube gleich auch noch zig andere Zahnräder betrifft.

With a little help from my friends family – oder etwas mehr

Wie machen wir es nun ganz konkret? Nun ja, die Großeltern helfen uns aus der Patsche. Wieder mal. Beide Arbeitgeber kommen ganz glimpflich davon. Wieder mal. Olli wird seine Termine wahrnehmen und ich werde den ein oder anderen Tag ins Homeoffice gehen.  Dann sollte das alles passen. Was neu ist: Ich bin wild entschlossen mir auch andere Hilfe ins Boot zu holen, und zum Beispiel Fahrgemeinschaften zu bilden, wenn das große Kind Sport hat.

Nichtsdestotrotz bleibt bei mir ein doofes Gefühl. Das Gefühl, es nicht richtig machen zu können, bei diesem Vereinbarkeits-Ding zu versagen, den Schwiegereltern die Kinder „aufzudrücken“ (dabei handelt es sich um beidseitig riesengroße Liebe!) und meinen Kindern ggf. nicht gerecht zu werden. Da mir aber vorerst nichts anderes übrig bleibt und eigentlich für alles gesorgt ist, werde ich die Situation beobachten und versuchen, so  viel Stress wie möglich aus unseren Wochen rauszunehmen und mich auf die schönen Dinge zu konzentrieren.

Schöne Dinge im September

Selbst in diesem September gibt nämlich auch eine ganze Reihe Dinge, auf die ich mich freue! Die möchte ich bewusst wahrnehmen und genießen.

  • Der Monat hat toll begonnen. Weil es nämlich am 1. September eine große Extra-Ladung Wertschätzung der Geschäftsführung gab. Ich hatte da zwar vor Kurzem noch daran gedacht, es dann aber vergessen: Ich hatte fünfjähriges „Dienstjubiläum“. Es gab selbst gebackenen Kuchen und Sekt und superschöne Blumen und eine tolle Karte und es war einfach richtig schön!
  • Dann ist da die Buch-Party von Mama Schulze, zu der ich eingeladen bin. Worüber und worauf ich mich mega freue. Da ich noch nie auf einer Buchparty war: Wer Tipps hat, was ich anziehen kann – bitte gern in die Kommentare. Dankeschön.
  • Besuche von einer meiner liebsten Freundinnen und einem Freund meiner Eltern, der mich seit frühester Kindheit begleitet.
  • Den siebten Geburtstag und die dazugehörige Party. Das wird zwar eine Übernachtungsparty und passend zum Motto „Gespenster“ grusel ich mich etwas davor. Andererseits wird das sicher toll für die Kids. Außerdem mag ich Geburtstage!
  • Einige Aktivitäten in der Schule, die sehr auf Elternengagement setzt. Der Höhepunkt ist hier sicherlich der gemeinsame Ganztagesausflug am Monatsende. Eigentlich ist es sogar ein ganzes Wochenende, aber wir haben keinen Platz mehr bekommen und so passt es eigentlich bei uns auch besser.
  • Zwei tolle Termine im Job, bei den wir große Projekt abschließen, bzw. anstoßen können.

Schlussendlich freue ich mich auch, dass ich weiß, dass der September vorbeigehen wird. Und wir werden es schaffen und dann ist ein neuer Monat.

Denn wie sagte schon Beppo Straßenkehrer so schön?

„Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, daß es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluß ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“ **

In diesem Sinne, lasst Euch nicht von der langen Straße entmutigen, sondern denkt einfach an den nächsten Besenstrich und vergesst nicht die Freude. Ich versuche das auch. Ob es funktioniert, werde ich euch berichten.

 

* Vermutlich in allen, ich kenne es halt nur für unsere.

** Zitiert nach http://www.mariabuchen.de/texte_und_gebete/unterwegs/text2.htm und nicht mit dem Original Momo-Text abgeglichen.

5 comments on “September – I hate you”

  1. Maren Antworten

    Ich (mit zwei Nahe-Vollzeitstellen und einen Kleinkind) kann dich sehr gut verstehen. Bei uns wird es der Oktober. Mutter und Schwiegermutter sind schon einbestellt ♡

    • Jette Antworten

      Ein Hoch auf Familiensupport im Hintergrund! Ich wünsch uns einen schnellen September und Euch einen schnellen Oktober.

  2. Little B. Antworten

    So ging es dem midi-monsieur auch, als die Schule für für ihn anfing: Er war total überfordert mit der Situation. ALLES war neu.
    Ich war froh, dass ich in der Zeit schon selbstständig war (denn Oma und Opa wohnen weit weg), sodass er immer mal wieder nicht in den Hort musste. Sich allein auf den Schulalltag einzustellen brauchte, halt Zeit.
    Es wird sich bald ein neuer Alltag bei Euch einstellen.
    (Und ich weine, dass ich nicht zur Buch-Party von Mama Schulze kann.)

    • Jette Antworten

      Danke für die Aufmunterung. Ich würde uns allen wünschen, es wäre grad weniger „drumrum“, aber es ist halt jetzt einfach mal so.

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