Neues Spiel, neues Glück.

Ein Rückblick auf meine Elternzeit mit Zweihalb.

Farewell Elternzeit mit Zweihalb. Du warst eine tolle Zeit, wenn auch anders als mit Einhalb. Irgendwie warst Du anstrengender und gefühlt noch kürzer. Dafür war ich erfahrener, gelassener und wertschätzender. Hatte ich doch geahnt, dass es schnell vorbei sein würde.
Zweihalb

Zweihalb

Es war einmal…

… eine Familie, die aus beruflichen Gründen der Frau aus dem tollen Köln in die Nähe von Frankfurt zog. Genau genommen in die Stadt, in der der Familienvater, also ich, aufgewachsen ist. Eines der wirklich tollen Dinge daran ist, dass meine Eltern nun zwei statt 200 Kilometer entfernt wohnen. Einhalb genoss von nun an regelmäßige Oma-und-Opa-Tage und wir die Entlastung. Auf einmal hatten wir freie Nachmittage, freie Abende und die Möglichkeit, ab und zu auszuschlafen. Wir gewöhnten uns ein und genossen unser Leben.

Eine Weihnachtsüberraschung

Aber in uns wuchs dieses Gefühl, dass die Familie noch nicht vollständig war. Und so wurde ich am Weihnachtsmorgen von Jette geweckt, die mit einem Stäbchen vor meiner Nase wedelte, das deutlich zwei blaue Striche anzeigte. Neun Monate später war Zweihalb geboren und wiederum sieben Monate später begann meine Elternzeit.

Da kommt was!

Da kommt was!

Diesmal wollten wir es besser machen und planten fast anderthalb Monate gemeinsame Zeit als Familie – drei Wochen davon in der floridianischen Sonne. Es war toll, diese Zeit zu viert zu haben. Es hat uns noch mal zusammengeschweißt und mich meiner Kleinsten auch näher gebracht. Aber es ist eben nicht dasselbe, wie mit den Rackern alleine zu Hause zu sein.

Zwei sind mehr als eines

Ich stellte fest, dass die Anwesenheit von zwei Kindern alles ändert. In meiner ersten Elternzeit mit Einhalb sind wir nach dem Mittagsschlaf schön in den Park gewandert, Mama wurde gegen 18:30 Uhr erwartet. Noch kurz einkaufen, Essen vorbereiten – fertig.

Jetzt war der Familienrhythmus schon viel stärker getaktet: So war der Morgen natürlich stressiger. Auch musste darauf geachtet werden, dass der Mittagsschlaf ca. 14:45 Uhr beendet ist, wickeln und los, um die Große im Kindergarten abzuholen. Die eigentlichen Baby-Aktivitäten haben sich auf den Vormittag konzentriert. Das war in der ersten Elternzeit die Zeit, in der mit Einhalb oft einfach ausgiebiges Kuscheln anstand. Und jetzt hatte ich nach dem Abholen vom Kindergarten eine Große, die reden und ihre Bedürfnisse klar formulieren kann – und das auch tut. Und ein Baby, das ganz andere Bedürfnisse hat – und diese nicht immer eindeutig, dafür aber sehr lautstark artikuliert. Das hat mich am Anfang sehr gestresst und tut es zum Teil heute noch immer. Ich denke, dieses Dilemma kennen die meisten Mehrfach-Eltern und wird mir noch öfter begegnen.

Der Vater – ein unbekanntes Wesen?

Köln hab ich in meinen fünf Monaten mit beiden Kids vermisst. Die vollen Parks mit anderen Kindern und die Elterncafes in denen die Kleinen einfach so loskrabbeln können. In der Kleinstadt im Frankfurter Umland haben eben 60 % der Bewohner ihr Eigenheim mit Garten und Trampolin oder Schaukel. Kinder spielen eher dort als auf dem Spielplatz. Besonders die ganz Kleinen sieht man kaum. Naja, wir haben wir es uns trotzdem nett gemacht: Mit Decke und Snack im Grünen.

Zweihalb_im_Garten

Zweihalb im Grünen

Und obwohl der örtliche Familienbildungs-Verein den eher traditionellen Namen „Frau Mutter Kind“ trägt: Zum wöchentlichen Eltern-Café durfte ich auch kommen. So hatten Zweihalb und ich auch einen extra „Café-Tag“, genau wie Einhalb. Als einzelner Mann mit Kind hatten wir einen gewissen Exoten-Status. Väter kommen eher als Begleitung der Mütter mit, denn als eigenständiger Gast. Die Organisatorin kannte mich auf jeden Fall schnell und hat mich wohl auch gleich ins Herz geschlossen: Regelmäßig stand fünf Minuten nach unserer Ankunft ungefragt mein Milchcafe auf dem Tisch. Ein Traum!

Eitel Sonnenschein in der Krabbelgruppe?

In nicht so schöner Erinnerung haben Jette und ich aber ihren letzten und meinen ersten Tag in der Krabbelgruppe. Genau an diesem Tag erzählte eine andere Mutter von einem beruflichen Angebot: Und wurde von der Gruppenleitung sehr darin bestärkt, das auf jeden Fall abzulehnen. Die Babys seien ja noch so klein und die Zeit ist ja so schnell vorbei und unterschwellig klang – so haben wir es beide jedenfalls empfunden – schon ganz klar mit, dein Kind braucht Dich noch total.

Und Jette wurde dafür bedauert, dass sie jetzt wieder arbeiten geht. Und auch noch 35 Stunden: Die Ärmste, wie schrecklich, wie furchtbar. Ich kam mir entsetzlich vor! Ich, der Egoist, der der liebenden Mutter das Kind entreißt. Die Frau könnte ja auch zu Hause bleiben, um diesem furchtbaren Schicksal zu entgehen. Dass es eine bewusste Entscheidung von uns beiden war, egal. Das kann die Mutter ja nicht gut finden. Unter der Hand, vermeintlich außerhalb unserer Hörweite, fielen die üblichen „also ICH könnte das ja nicht“-Kommentare… Zu uns direkt hat natürlich keiner was gesagt.

Dieser erste Kontakt mit der Krabbelgruppe stimmte mich nachdenklich. Aber die anderen Mütter haben dann auch gelernt, dass Zweihalb mit mir sehr gut zurrecht kommt. Und anders als in Köln, gab es sogar einen weiteren Vater, der ebenfalls sechs Monate Elternzeit übernahm. Obwohl wir uns gut verstanden, wurde daraus nicht die gemeinsame Väter in Elternzeit-Freundschaft, so wie ich es in Köln erlebt habe.

Über den Vater-Tellerrand

Aber da wir in meine alte Heimat zurückgegangen sind, gibt es hier noch ein paar Freunde aus Schultagen. So haben ich und Zweihalb uns häufiger mit einem alten Kumpel auf einen Kaffee getroffen. Was soll ich sagen: Er hat auch eine zweijährige Tochter, aber 80 % unserer Gespräche drehten sich nicht um die Kids. Es war fantastisch!

Leider raste die Zeit wirklich noch schneller als beim ersten Mal: Zweihalb lernte Krabbeln, lernte zu stehen und ging die ersten Schritte an der Hand. Viel zu schnell verflogen sechs im Ganzen wunderbare Monate, die ich nicht missen möchte.

Für meine beiden Kleinen Einhalb und Zweihalb. Danke für die tollen Zeit!

 

About the author

Oliver, Vater zweier wunderbarer Töchter, mit Jette verheiratet.

2 comments on “Neues Spiel, neues Glück”

  1. kiwimamasblog Antworten

    Lieber Oliver,
    ich finde deine Einstellung super! Mein Mann hat es bedauert nicht mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen zu können (das war mit seinem Beruf einfach nicht vereinbar; bei meinem Hingegen ist es gar kein Problem). Er hat die Zeit sehr genossen. Tatsächlich ist es in seinem Umfeld mittlerweile üblich, dass die Männer zumindest zwei Monate Elternzeit nehmen. Diese Entwicklung finde ich schon mal begrüßenswert 🙂
    Liebe Grüße
    Kiwimama

  2. Ulf Moritz Antworten

    Lieber Olli,
    ich freue mich, dass Du Dich traust ein Exot zu sein. Und ich bin entsetzt, dass die eingefahrenen alten Rollenbilder noch so stark sind. Gelegentlich habe ich auch das Gefühl, dass sie sogar wieder stärker werden.
    Es ist doch gut zu wissen, dass Du Deine arme Frau nicht gezwungen hast, wieder arbeiten zu gehen, um ganz selbstsüchtig Deine Zeit mit den Kindern einzufordern. Deine Frau ist die Tochter ihrer Mutter und die wäre stolz auf sie!
    Ich gratuliere Euch beiden zu Euren Partner.
    Bis bald (Dienstag:-) )
    Ulf

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