Kinderpläne und Mamaherzen

Seit Wochen geschehen um mich herum merkwürdige, geheimnisvolle Dinge. Wenn das passiert, werde ich ja zum Sherlock und so machte ich mich auf, die Wahrheit herauszufinden. Was zugegebener Maßen bei einem informativen sechsjährigen Kind nicht so schwierig ist. Trotzdem, als ich die Wahrheit herausgefunden hatte, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Aber lasst uns von vorne anfangen.

Leichte Anzeichen von Bastel-Wahnsinn

Bunte Papiere

Tonpapierketten, Tonpapierblumen und die sehr niedlichen Blöcke (?) sind nur ein Teil der Bastel-Ergebnisse.

Wir befinden uns im späten Winter des Jahres 2017. An manchen Tagen kann man sogar schon eine Frühlingsvorahnung bekommen. Wann immer ich in diesen Tagen die große Tochter frage, was heute im Kindergarten so los war, lautet die Antwort „Wir haben gebastelt“. Nun ist das an und für sich in einem Kindergarten ja nicht so bemerkenswert. Aber jeden Tag? Immer? Naja, denke ich mir, es sind vielleicht schon die ersten Oster-Sachen und hake das Thema ab.

Aber dann fängt das Kind an, Tüte um Tüte mit „Zeug“ nach Hause zu schleppen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das „Zeug“  als Bastelmaterial. Zum Teil ist dieses schon verarbeitet, zum Teil aber auch noch im Ursprungszustand. Nun ist es zwar so, dass ich nicht besonders gerne bastle, im Allgemeinen verfügt unser Haushalt aber über alles, was man so für ein spontanes Bastel-Erlebnis brauchen könnte.

Seltsam.

Ich möchte die fertigen Werke ausstellen – werde aber rüde daran gehindert und muss alles wieder in die Tüte zurück legen.

Sehr seltsam.

Geschäftstüchtige Kauffrauen

Ungefähr zur gleichen Zeit will das Kind immer „was verkaufen“ und das am liebsten mit ihren Freundinnen. Sie plant dafür, das Zelt aufzubauen. Immer versucht, die Ideen meiner Kinder ernst zu nehmen, erläutere ich die Nachteile eines Campingzelts als Verkaufsstand. Sie überlegt sich immer wieder Alternativen und wir wägen das jeweilige Pro und Contra ab. Ist ja nur ein Gedankenspiel, denke ich.

Wie naiv kann man eigentlich sein?

Eines Tages komme ich abends nach Hause und die große Tochter erzählt mir freudestrahlend, dass ihre Freundin M. demnächst hier übernachten darf. Ich freue mich, denn ich mag M. und mit dieser Verabredung geht ein Herzenswunsch der beiden in Erfüllung. Bald darauf wird klar: Wenn M. hier übernachtet, wollen die Mädchen ihren Verkaufsstand machen. Und verkauft wird: Das Gebastelte. Freundin F. kommt dann auch noch rüber und macht mit.

Aber nicht bei uns in der Siedlung, da kommen zu wenig Menschen vorbei.* Viel besser ist es, wenn der Stand vorne an der Straße aufgebaut wird. Aber Mama, nicht mein Tisch, der ist ja viel zu klein. …

So gehen sie, die Argumente. Gefühlt prasseln sie in den nächsten Tagen vom ersten Öffnen der Augen bis zu deren Zuklappen auf mich ein. „Was wollt ihr denn mit dem Geld machen“, frage ich. Doch das ist ein Geheimnis.

Ein Plan wird enthüllt und ein Mamaherz ist ratlos

Meine Tochter wäre allerdings nicht meine Tochter, wenn es nicht doch irgendwann aus ihr raus sprudelte: Einen Reiterhof wollen die drei kaufen! So einen wie den Martinshof (für Nicht- oder Jungs-Eltern, da wohnt Bibis Freundin Tina).

Falls das Geld nicht reicht, so doch wenigstens drei Pferde.

Auf einem Pferd am Strand der Sonne entgegen. Ich hab das sogar schon gemacht. Es ist wirklich schön! In Ermangelung der Pferde und des Strandes wird es allerdings vorerst ein (Kinder-)Traum bleiben.

Nun ist es raus. Damit ist klar, warum die Mädels seit Wochen basteln und basteln.

Ich bewundere den Einfallsreichtum und die Lösungsorientiertheit der Mädchen und höre zeitgleich mein Mamaherz laut knacksen. Zu deutlich sehe ich die Kinderpläne an der Realität zerschellen. Selbst wenn ich erlauben würde, dass sich drei Kinder im Alter von 5/6 Jahren mit einem wackligen Tisch an die Hauptstraße setzen (was ich natürlich NICHT tue), würden sie kaum Geld verdienen. Ich fürchte, es gibt keinen wirklichen Markt für Tonpapier-Blumen und -Ketten. Mal ganz abgesehen von der finanziellen Differenz zwischen Verkaufserlös und Reiterhof.

Soll ich den ganzen Plan als Blödsinn verwerfen und drei Kindern einen gemeinsamen Traum zerstören? Nein, das möchte ich nicht. Aber was dann? Wie können wir Erwachsenen dafür sorgen, dass die Mädchen ihren Plan umsetzen können, ohne sich in Gefahr (Hauptstraße) zu begeben oder total traurig zu werden (nichts verkauft).

Der Kinder-Phantasie-Rettungsplan

Ich telefonierte mit einer der anderen Mütter (natürlich streng geheim). Sie schätzte zum Glück die Situation genauso ein wie ich und wir fassen einen Plan. Unser Kinder-Phantasie-Rettungsplan sieht jetzt wie folgt aus: Gemeinsam mit den Mädels werden wir Plätzchen backen. Plätzchen gehen immer. Und diese dürfen sie dann bei den Nachbarn verkaufen, gerne zusammen mit was Gebasteltem. Wenn das Wetter gut ist, dürfen sie auch ihren Verkaufsstand aufbauen. Die Eltern in Rufweite (vermutlich muss ich genau dann, denn Balkon neu bepflanzen) aber nicht im Weg. Ich hoffe, die Kinder lassen sich darauf ein.

Was sie mit dem Geld machen, können sie dann entscheiden. Vielleicht reicht es ja für Pony-Reiten.

 

*Es handelt sich um eine Sackgasse. Hier kommen überhaupt nur die Leute vorbei, die hier wohnen. Und der DHL-Mann.

5 comments on “Kinderpläne und Mamaherzen”

  1. Suse Antworten

    Hier wird regelmäßig ein Verkaufsstand aufgebaut.
    Die Kinder verkaufen Kekse (selbst von ihnen gebacken), Tomatenpflänzchen (selbst gezogen) oder Kunstwerke.
    Ich selbst wäre viel zu schüchtern, finde es aber toll, daß die Kinder so was auf die Beine stellen. Denn sie könnten ja auch Fernsehen oder anderweitig chillen ;.)

  2. Sandy Antworten

    Na deine Kinder sind ja genauso pfiffig wie du! Die Idee ist total cool und vor allem ziemlich mutig!

    Das mit den Keksen ist natürlich eine super Zwischenlösung! Wie wäre sonst mal n Flohmarkt für die Mädels? Wo sie altes Spielzeug gemischt mit ihren Bastelschätzen verkaufen? Kam mir grade der Gedanke, als auch mein Mamaherz nach einer anderen (Hauptstraßen freien) Lösung suchte!

    Ich finde aber die kreativen Ideen der Kids wirklich toll! Egal wie unrealistisch sie sind/ uns vorkommen ❤

    Liebe Grüße,
    Sandy

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