Guter Wille reicht nicht

Wiedereinstieg nach der ersten Elternzeit

Neulich fragte Laura von Heute ist Musik bei Twitter: Was macht einen guten Arbeitgeber aus? Ich überlegte einige Tage hin und her und antwortete ihr schließlich, dass ich das beim besten Willen nicht in 140 Zeichen kriege. Dass ich aber ohnehin an einem Blogbeitrag zum Thema Wiedereinstieg sitze – ob ihr die Antwort dann reiche? Super, sie plane eh gerade eine Blogparade zum Thema. Hier also unser Beitrag dazu. Die anderen findet ihr bei Laura auf dem Blog. Und weil es da draußen gerade so spannende Paraden gibt, habe ich noch mindestens eine weitere im Auge. Aber alles zu seiner Zeit.

Was macht einen guten Arbeitgeber aus?

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Auch, weil sich die Antwort für mich (mit mir?) geändert hat. Mitte 20, fertig mit Studium und Volontariat, hätte ich gesagt: Ein guter Arbeitgeber bietet mir spannende Projekte, gute Aufstiegschancen und ein attraktives Gehalt.

Jetzt, ziemlich genau zehn Jahre und zwei Kinder später, sage ich: Ein guter Arbeitgeber bietet mir spannende Projekte, gute Entwicklungschancen und ein attraktives Gehalt – vor allem aber bietet er mit Wertschätzung.

Zu allem, was folgt, muss man sagen, dass ich nie in riesigen Konzernen gearbeitet habe. Oder anders ausgedrückt: Man kannte sich und die Wege waren kurz.

Als ich meine erste Schwangerschaft verkündet habe, war ich ziemlich aufgeregt. Ich hatte es selbst kaum begriffen und „musste“ es direkt offiziell machen, weil mein 30. Geburtstag mitten in Zeiten des Kölner Karnevals lag und ich Kolleginnen dazu eingeladen hatte. Wenn ich nicht mit amputiertem Bein oder ähnlich gravierenden Verletzungen da aufgetaucht wäre: Mir hätte ja niemand geglaubt, dass ich dieses Fest vor lauter Spaß an der Freude nüchtern begehen möchte.

Die erste Reaktion meiner damaligen Vorgesetzten hätte mir ein Hinweis sein können: „Herzlichen Glückwunsch … bla bla bla … das hättest Du jetzt aber noch nicht sagen müssen.“ Ich fand das damals nur etwas seltsam, dachte aber: Vielleicht ist sie einfach nur sehr korrekt oder hat schon viele Frauen mit Fehlgeburten erlebt. So lange war sie noch nicht bei uns. Ich nahm den Kommentar zunächst einfach hin.

Beim ersten Mal tut’s noch weh

Das Gefühl Willkommen zu und eine geschätzte Kollegin zu sein, ist für mich wichtiger geworden.

Was war ich naiv! Rückblickend muss ich feststellen: Weniger als 10 % der damaligen Angestellten waren Eltern. Etwa die Hälfte davon männlich und Vollzeit beschäftigt. Die andere Hälfte Mütter, logisch in Teilzeit. Oder wie es neuerdings korrekter heißt: In vollzeitnaher Teilzeit. Allerdings auf echt guten Positionen.

Und ich Naivling dachte wirklich, das Geschwätz von gläsernen Decken und Quoten und so, das sei nur von so verkappten Alice Schwarzern, die einer jungen Frau wie mir gar nix sagen können, weil die uns nicht mehr verstehen (Girl Power statt Latzhose und so, wissta Bescheid). Dennoch war die Erziehung meiner Mutter nicht völlig spurlos an mir vorüber gegangen und auch ihre Kämpfe um eine angemessene Vollzeitstelle hatte ich noch im Kopf. Also las ich den einen oder anderen Artikel und überlegte mir, wie ich das mit dem Wiedereinstieg machen möchte. So zwischendurch Gespräche und so, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Mal so unter uns: Hat das jemals jemand gemacht? Mich wollte niemand sehen und mir ausführlich erklären, was passiert. Irgendwie auch logisch: Die Kolleg*innen hatten alle selbst genug zu tun. Auch mir stand der Kopf mit Baby nach anderen Dingen, außerdem bin ich ja in acht Monaten wieder da. Dachte ich mir so.

Ich kam also zurück – und alles war ganz anders. Es hatte so viele Änderungen auf Management-Ebene gegeben, dass es sich anfühlte, als ob es ein ganz neuer Arbeitgeber war. Den Willen, mich einzubringen, die Erfolge vergangener Projekte, das Wissen um meine Stärken – all das war mit meinen ehemaligen Vorgesetzen gegangen. Der Anteil der angestellten Eltern war rapide geschrumpft und auch die Mütter in Teilzeit waren bald weg. Damit fehlten mir sowohl Rollenvorbilder, als auch Verbündete, etwa wenn es darum ging, Meetings nicht erst um 17:00 Uhr anzusetzen.

Jette, das Hamsterchen

Symbolbild: Abends noch schnell die Projekte fertig machen. Natürlich sah es dann bei mir nie so ordentlich aus.

Kurz, mein Wiedereinstieg war holprig: Ich bemühte mich, das maximale an Flexibilität herauszuholen und Engagement zu zeigen. Zu beweisen, dass ich was kann. Ich fing früher an, schob Termine hin und her, hetzte aus dem Büro in die Kita und checkte meine Mails, wenn das Kind schlief und solche Dinge. Aber natürlich reicht das nicht, wenn Seitens des Arbeitgebers keiner beachtet, welchen anderen Zwängen die Arbeitnehmer vielleicht noch ausgesetzt sind.

Meine Projekte wurden kleiner und unbedeutender. Das mag nicht nur an mir gelegen haben, sondern beispielsweise einfach an den Projekten, die halt gerade zu dem Zeitpunkt zu vergeben waren, aber es nagte an mir. Als spannendere Projekte frei wurden, bekam ich sie nicht.

Ich fühlte mich nicht gesehen, nicht ernst genommen in meinem Willen, sowohl Mutter zu sein, als auch Leistung für die Firma zu bringen. Und egal, was ich machte, es lag nicht in meiner Macht, das zu ändern. Das war beruflich gesehen wirklich die frustrierendste Erfahrung meines Lebens.

Wie ist er denn nun – der gute Arbeitgeber?

Ich bin nun wirklich nicht der Meinung, dass es die primäre Aufgabe meines Arbeitgebers ist, für mein psychisches Wohlbefinden zu sorgen. Auch sehe ich durchaus, dass ein Unternehmen bestimmten betriebswirtschaftlichen Zwängen unterworfen ist, die dem einzelnen Angestellten weder vollständig bekannt sind, noch bekannt gemacht werden müssen. Bei so manchen Forderungen in so manchem Elternblog kriege ich daher großes Augenrollen.

Aber auch hier gilt: Vereinbarkeit ist ein Mannschaftssport! Er hängt nicht allein an der für ein Kind verantwortlichen Person (häufig ja immer noch die Mutter). Sie wird es allein NIE hinbekommen.

Nicht immer ist das, was wir uns vorstellen, was wir für eine gute Vereinbarkeit brauchen, für den Arbeitgeber darstellbar. Aber eines sollte immer und zu jeder Zeit gegeben sein: Respekt, gegenseitige Wertschätzung und Vertrauen.

Wenn Dein Arbeitgeber dies nicht schafft, fängt er an, einzelne Fehltage aufzurechnen oder nur zu sehen, wann Du nicht da bist. Sind diese drei Dinge allerdings gegeben, dann kann man auch bei Schwierigkeiten lösungsorientiert und hoffentlich auf Augenhöhe darüber diskutieren, welche Parameter wie verschoben werden können, um eine für alle vertretbare Lösung des Vereinbarkeitsproblems zu erreichen.

 

Wenn sie allerdings nicht gegeben sind, wussten schon die Bremer Stadtmusikanten: Etwas Besseres als den Tod, finden wir überall.

 

Für mich hat es sich mehr als bewahrheitet: Mein aktueller Job ist besser als der Tod – viel besser. Trotzdem war auch da der Wiedereinstieg nach der zweiten Elternzeit anders als erwartet. Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag. s

 

1 comment on “Guter Wille reicht nicht”

  1. pialaurafroehlich Antworten

    Klasse, ich danke dir fürs Mitmachen. Wahnsinn, was uns Frauen immer so passiert. Wir können nur hoffen, dass unsere Kinder bessere Voraussetzungen für Familie finden. Liebe Grüße von Laura

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