Gleichberechtigte Elternschaft, ernstgemeinte Fragen und sachliche Antworten

Gastbeitrag von Dr. Mama

Heute haben wir für Euch einen Gastbeitrag von Caro. Caro ist Mutter zweier kleiner Kids und macht wünscht sich Wahlfreiheit und Konfetti. Klingt gut, oder? Wir haben uns in diesem Dings, diesem Internet kennengelernt, genauer gesagt bei Twitter, wo  sie als Dr. Mama unterwegs ist. Dort ist sie mir aufgefallen, weil sie sich immer wieder in Debatten um gleichberechtigte Elternschaft und den alltäglichen Vereinbarkeit-Irsinn reinhängt. Daher war uns völlig klar, dass wir ihr gerne einen Platz auf den Halben Sachen überlassen. Den füllt sie damit, wie sie beschlossen hat, auf doofe Fragen gute Antworten zu geben – aber lest selbst:
Die Krippe hat heute Schließtag und Du arbeitest?
Oh, Deine Kinder sind krank. Aber wer versorgt sie denn dann jetzt?
Du arbeitest ja 70 %. Was machen denn dann die Kinder an Deinen langen Tagen nach der Krippe?

Wie mich diese erstaunt gestellten Fragen nerven!

Gleichberechtigte Eltern brauchen immer noch ein dickes Fell – aber gemeinsam unterwegs sein, macht einfach mehr Spaß.

Denn die Antwort ist einfach: Die Kinder haben auch einen Vater. Er ist, Überraschung, durchaus in der Lage, sie zu versorgen. Sogar, wenn sie krank sind! Als die Kinder kleiner waren, hat er beispielsweise an drei Tagen pro Woche gearbeitet und ich an zwei Tagen. Mittlerweile gehen die Kinder in die Krippe und er holt sie an zwei Tagen pro Woche nachmittags ab. An den restlichen Tagen mache ich das alleine oder wir beide zusammen. Das finden manche Menschen gut und manche Menschen doof. Worauf es ankommt ist allerdings: Es ist möglich. Niemand wird gezwungen, das so zu machen. Aber es ist denkbar, das so zu machen.

So manches Mal möchte ich der FragestellerIn daher antworten: „Es ist 2017. Das ist doch heutzutage keine Frage mehr!“ Aber: Machen wir uns nichts vor. Insbesondere wenn Kinder im Spiel sind, ist Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht. So schön ich es auch fände. Es gibt noch nicht überall Vorbilder für eine gleichberechtigte Elternschaft. Vielen Frauen wird ein schlechtes Gewissen eingeredet, wenn sie relativ früh nach der Geburt ihrer Kinder wieder anfangen, zu arbeiten. Gerade gestern wurde mir von einer Kollegin sogar erklärt, dass Väter ihre Babies ja schließlich nicht mit zur Konferenz nehmen könnten, da sie nicht in der Lage seien, sie zu beruhigen.

Äh… Nein!

Aber zurück zum Thema: Vielleicht fragen sich die FragestellerInnen mangels Vorbildern wirklich, wie wir das machen. Wie eine gleichberechtigte Elternschaft umsetzbar ist. Möglicherweise leben sie selber eine gleichberechtigte Elternschaft, interessieren sich aber dafür, wie andere das organisieren. Deutlich geworden ist mir das mal wieder, als ich kürzlich diesen Tweet der wunderbaren Ninia LaGrande las:

Die Fragen, die mir begegnen, sind zwar in manchen Fällen blöd formuliert. Aber sie können trotzdem ernst gemeint sein. Ich habe mir daher vorgenommen, sie ab jetzt sachlich zu beantworten und zu erläutern, wie wir das organisieren.

Diese Einstellung bringt zudem den Vorteil mit sich, dass ich die Anklage, die in den obigen Fragen mitschwingt, besser überhören kann. Denn ich mache mir nichts vor. Zum Teil sind die Fragen leider auch als Vorwurf gemeint. Aber da denke ich mir:

Es ist 2017. Gewöhn Dich dran!

 

Liebe Caro, danke dass Du Deine Gedanken mit uns teilen mochtest. Ich bin ja eher skeptisch, was die Lernbereitschaft vieler Menschen angeht. Andererseits – hätte ich gar keinen Glauben dran, würde es die Halben Sachen wohl nicht geben. Wie handhabt ihr anderen das? Oder habt ihr schon mal eine Interessensfrage gestellt und wurdet doof „abgekanzelt“?

2 comments on “Gleichberechtigte Elternschaft, ernstgemeinte Fragen und sachliche Antworten”

  1. Anika Antworten

    Puuuh, wie oft habe ich in den vergangenen sieben Monaten schon gehört „waaas, du warst schon wieder zwischendurch arbeiten? du musst zuhause bei deinem Kind sein“ oder „du musst länger als ein Jahr zuhause bleiben, das ist viel besser für dein Kind, fang bloß nicht an so früh wieder zu arbeiten. Diese Zeit wirst du nie wieder haben!“
    Ja, diese Zeit ist einzigartig. Genau genommen gibt es keinen Tag zweimal. Daran wird sich aber auch in zehn Jahren nichts ändern. Soll ich zehn Jahre zuhause bleiben? Oder besser achtzehn??

    Die ersten gemeinsamen Wochen mit unserem Sohn waren hart. Die Geburt war schwierig, wir waren drei Tage lang getrennt und danach folgten Bindungsprobleme und Depressionen, weit über das Wochenbett hinaus. Heute sehe ich mir Fotos aus der ersten Zeit an und bin unfassbar traurig, dass ich diese Zeit nie wieder haben werde und dass ich sie damals nicht genießen konnte. Aber eins weiß ich: als meine Mutter mir das erste Mal ermöglicht hat für ein paar Tage arbeiten zu gehen, war das die beste Therapie überhaupt für mich! Und so sehne ich mich quasi seit dem dritten Monat schon nach meiner Arbeit zurück. Wenn wir trotz des miserablen Betreuungsangebotes doch einen Platz finden, werde ich auch nach einem Jahr wieder arbeiten gehen. Denn es tut mir gut. Was mir nicht gut tut, ist den ganzen Tag nur mit Babythemen und Haushalt zu verbringen, oftmals auch zuhause ohne jegliche erwachsene Gesellschaft. Ich verblöde. Ich hänge in meinem Job hinterher, in dem sich in einem Jahr so viel ändert. Ich brauche etwas, das ich mir alleine verdient habe, für das nur ich allein verantwortlich bin. Für das ich investiert habe. Für das meine Firma in zehn Jahren in mich investiert hat. Ein bisschen Anerkennung. Ein bisschen Hirnschmalz.
    Als Mutter ist man in diesem Land immer noch so wenig wert. Mir geht es besser, wenn ich auch etwas „für mich“ habe und ich bin froh einen Mann an meiner Seite zu haben, der mich unterstützt, wo er nur kann. Was maßen sich andere Leute an über mein Leben zu urteilen? Was für eine Unverschämtheit! Wenn ich gefragt werde, ob ich wirklich schon wieder arbeiten gehe oder wer auf das Kind aufpasst, dann sage ich einfach: das Kind ist versorgt. Warum interessiert dich das oder was geht es dich an? Ich gehe arbeiten, weil es mir Spaß macht, mein seelisches Gleichgewicht unterstützt, damit ich für mein Kind eine ausgeglichenere Mutter sein kann. Weil ich für mein Kind so viel mehr wert bin als wenn ich völlig ausgelaugt und schlecht gelaunt zuhause sitze. Die eine Welt ergänzt die andere. Außerdem soll mein Mann nicht alleine für unser Leben Geld verdienen müssen. Wir haben vorher gemeinsam für den Lebensunterhalt gesorgt, warum sollte sich das jetzt ändern? Kostet ein Kind etwa nichts? Arbeiten alle Männer grundsätzlich in top bezahlten Führungspositionen? Habe ich als Frau etwa den Anspruch auf die Fortführung meines Jobs mit der Geburt automatisch verwirkt? Bedeutet Muttersein grundsätzlich völlige Selbstaufgabe? Wer anders denkt, kann sein eigenes Kind auch gern anders aufziehen. Das ist unser Weg und mit dem fühlen wir uns gut. Wenn es nicht funktioniert, muss das Konzept halt überdacht werden. Und dann eine gemeinsame neue Lösung gefunden werden. Denn genau so wie jedes Kind anders ist, ist auch jede Mutter, jede Familie anders. Und die Männer sind Teil davon, es ist nicht alles nur reine Frauensache. Hört auf andere zu kritisieren und versucht es stattdessen mit Akzeptanz und Empathie! Am Ende können wir doch nur voneinander lernen!
    So in etwa lautet meine Antwort. Bisher stößt sie gleichermaßen auf Zustimmung wie auf Ablehnung. Vielleicht braucht das alles einfach noch ein bisschen Zeit…

  2. Claudia Antworten

    Ich beantworte solche Fragen immer sehr offen und direkt. Erkläre, dass die Kinder von meinem Mann versorgt werden. Und gebe die zusätzliche Info, dass mein Mann bei unserer Großen zehn Monate Elternzeit genommen hat (ich nur vier) und bei unserer Kleinen acht Monate (ich sechs). Es war genau richtig für uns. Die Große habe ich zweimal pro Tag bei der Arbeit gestillt, mein Mann brachte sie im Kinderwagen vorbei. Ich ernte zwar überraschte Blicke, aber Vorwürfe höre ich aus meinem Umfeld nicht. Wir sind von unserem Lebensmodell aber wahrscheinlich auch zu überzeugt als dass sich irgendjemand auf eine Diskussion zu dem Thema einlassen würde.

    Nachbarn, die man nur vom Grüßen kennt, wundern sich da schon eher. Aber denen sind die Kinder auch zu lange in der Kita. Die stammen aus der Generation Großfamilie und weitere Diskussionen zu dem Thema wären sinnlos. Die bekommen nur die Info, wo die Kinder sind und der mitschwingende Vorwurf wird überhört.

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