Das gildet nich!

Oder: Warum Nicht-Wählen keine Wahl ist

Egal ob ihr Kinder habt, eure Freunde Kinder haben oder ihr euch nur rudimentär an eure eigene Kindheit erinnert: Mit Sicherheit kennt ihr dass, wenn Kinder miteinander spielen, permanent die Regeln geändert werden und sie rufen: „Das gildet jetzt aber nicht!“

Sollte das nicht der Fall sein, stellt euch dringend für eine große Pause vor einem Schulhof Eurer Wahl. Am Besten noch in dieser Woche.

Als Mutter oder Vater treibt es einen zuweilen in den Wahnsinn. Als außenstehender, erwachsener Mensch belächelt man das oft. Denn als erwachsener Mensch würde man sich natürlich nie so egoistisch und kurzsichtig verhalten.* Wenn man keine Lust auf das Spiel hat, spielt man halt nicht mit. Doch wie wir alle früher oder später feststellen mussten: Das Leben als erwachsener Mensch ist kein Spiel.** Oder wenigstens nicht nur. Deshalb gibt es Spiele, die muss man mitspielen – oder man darf sich hinterher nicht beschweren.***  Eines dieser „Spiele“ nennt sich „Demokratie“.

Die Demokratie – ein Spiel, das Spieler braucht

Dieser blaue Herr hing schon 2008 am New Yorker Times Square – und 9 Jahre später hat er immer noch Recht.

Ein kompliziertes Wort mit Wurzeln im Altgriechischen, aber was es heißt, ist eigentlich gar nicht so schwierig: Es meint, dass in dieser Form des Zusammenlebens das Volk die wichtigen Entscheidungen über die Regeln des Zusammenlebens trifft. Nun leben in der BRD aktuell etwa 82,8 Millionen Menschen, das macht es etwas schwierig, sich zusammenzusetzen, um mal so zu beratschlagen, wie wir das hier nun machen wollen, dieses gesellschaftliche Zusammenleben.

Daher gibt es Wahlen: Da bestimmen wir theoretisch ein paar Menschen (oder ein paar mehr), die in unserem Interesse, die „Geschicke des Landes bestimmen sollen“.**

Aber da ihr in diesem kleinen, feinen Blog kurz vor Ende des Internet lest, wisst ihr das natürlich alles schon. Und ihr wisst auch, dass am kommenden Sonntag, dem 24. September 2017, der Deutsche Bundestag gewählt wird. Nicht von allen 82,8 Millionen, aber immerhin dürften theoretisch noch etwa 61,5 Millionen Menschen den handlichen Zettel in eine amtlich verplombte Mülltonne stopfen.

Wenn ihr das nicht wisst, sei euch ein auch optisch ganz ansprechendes Erklärvideo empfohlen (das sich hier nicht einbinden lässt, damit ihr alle brav bei der Vogue klickt. Aber ihr wisst ja eh, wie das mit der Wahl geht und Palina Rojinski in nackt in der Wanne ist euch auch zu sexistisch. Falls doch nicht: Erst zu ende lesen, dann klicken http://www.vogue.de/people-kultur/videos/wahlwissen-aufgefrischt-mit-palina-rojinski ).

Vielleicht wisst ihr aber noch nicht, was ihr wählen sollt? Denn so geht es mir. Die Slogans klingen so beliebig, dass sie problemfrei ausgetauscht werden könnten und es würde niemandem auffallen. Bei manchen Slogan frage ich mich, was die Texter geraucht haben und wer um Himmels Willen das seitens der Partei abgenommen hat. Oder kann mir eine/r von euch erklären, was mir die lokale FDP-Kandidatin mit dem Spruch „Niemand darf eine sechs in Mathe erben“ an politischer Agenda vermitteln will?

Ja, was denn nun?

Ich finde das ganz schrecklich, denn ich halte mich für einen halbwegs politisch interessierten Menschen. Was mir jedoch gänzlich fehlt, ist die Vision für die „Geschicke“ des Landes. Also nicht das Klein-Klein von der Autobahnmaut, den kostenlosen Kita-Plätzen oder der Geburtsnachsorge als stationärer Leistung (wobei: WTF?!?!). Das alles ist wichtig, keine Frage. Den politischen Alltag dominieren die Detailfragen. Aber im Wahlkampf würde ich mir mehr Vision wünschen, laut und klar und deutlich. Was will die CDU außer „weiter so“ machen, die SPD außer „einen, der die Ideen durchsetzt“ – WELCHE IDEEN?

Müssen die Ideen für die Zukunft dieses Landes so kompliziert sein, dass ich zig Seiten Wahlprogramm lesen und vergleichen muss? Kann es sein, dass die einzige (!) Partei, die es konsequent schafft, ihre Vision in die 140 Zeichen eines Tweets, die 10 Sekunden Antwortspanne einer Talkshow und auf ein Plakat zu packen, tatsächlich die AfD ist? Die dabei noch so provokant und laut ist, dass die Medien es dankbar aufgreifen?

Go Vote!

Am kommenden Sonntag ist Wahl. Ich gehe wählen. Auch wenn ich noch nicht genau weiß, wo ich mein Kreuz mache. Aber ich mache es. Denn Demokratie sollte kein Spiel sein, bei dem hinterher die Regeln geändert werden. Das gab es schon einmal – 1933.

Daher: Geht wählen.

Ich bitte Euch von Herzen darum! 

Auch aus 2008 – auch immer noch wahr: Wählen ist einfach: Und IMMER besser als Nicht-Wählen.

Linksammlung

Wer sich auch noch schwer tut, wo er denn sein Kreuz macht, dem seien diese Links empfohlen:

  • Die Plattform für qualitativen und unabhängigen Online-Journalismus schlechthin, Krautreporter, hat für eine Woche die Hüllen fallen lassen und präsentiert ALLE Inhalte kostenlos. Mit ganz vielen tollen Texten zur Wahl, unter anderem dieses schöne Stück zu „So kannst Du bei der Wahl politische Alternativen stärken„. Auch sonst: Geht dahin und lest, bis euch die Augen bluten. So viele tolle Texte!
  • Alu von Großköpfe hat am Wochenende den Anfang gemacht und schon mal gesammelt, wo sich überall bei Eltern-Bloggern Artikel zur Wahl finden. Leider kam sie mir damit zuvor, aber ich musste ja noch Gespenster-Party feiern (dazu vll. ein anderes Mal mehr).
  • Als Reaktion darauf hat die von mir verehrte Sophie eine weitere Sammlung, mit Fokus Familienpolitik zusammengestellt (sie wird ewig in meinem Herzen sein, weil sie mich auf meiner ersten Blogger-Veranstaltung ganz lieb und offen angesprochen hat, als ich mich ganz schüchtern in der Ecke rumdrückte). Auch dort, ganz viele Artikel, auf die ich euch aufmerksam machen wollte. Aber nun gut. So ist das halt, frühe Vögel vs. Gespensterparty und so. Ihr wisst schon.
  • Wer es jetzt ganz genau wissen möchte, kann hier alle Wahlprogramme finden. Und so Dinge wie den Wahl-o-mat und Co. verlinke ich euch jetzt nicht. Die kennt ihr eh alle und die Partei, die da diesmal bei mir rauskam, ist leider für mich unwählbar.

 

 

* Von Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung mal abgesehen.

** Wo steht das Phrasen-Schwein für Blogger? Ich hätte da was einzuzahlen.

*** Dazu gehört übrigens auch die Straßenverkehrsordnung. Meine Erstklässlerin wird es Ihnen danken!

1 comment on “Das gildet nich! #btw17”

  1. Pingback: #Familienpolitik ist, was du daraus machst. Ein Aufruf!

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